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Zeitkapseln aus Kärnten: Die „Villach Collection“ kommt unter den Hammer

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Von DORIAN RÄTZKE
Oldtimer-Sammler sollten einen Kassensturz machen, ob noch Budget für Neuerwerbungen übrig ist: Die berühmte „Villach-Collection“ kommt jetzt in Österreich unter den Hammer! Die ganze Sammlung (35 Automobile und 166 Zweiräder) bildet nach Expertenmeinung die komplette Geschichte der österreichischen Mobilisierung ab. Organisiert wird die Versteigerung von den Berliner Spezialisten von Classic Trader Auctions. Was erwartet die Bieter? Eine umfangreiche Auswahl von Fahrzeugen, die vom seltenen Vorkriegs-Puch "Baby" bis zum Trabi im Neuwagenzustand reicht. Dazu etliche Roller und Motorräder der österreichischen Marken Lohner, HWM und Puch. 
Michael Gross (Director Classic Trader Auctions) stellt im Gespräch mit dem OCC-Magazin seine persönlichen Auktions-Highlights vor.

Skurrile Form, die an eine Mischung aus Rikscha und Sandmännchen-Mobil erinnert: Puch LARO 125, außergewöhnlicher Lastenroller aus dem Jahr 1956 mit 5 PS. Schätzwert: 4.500 € - 6.500 €.

Skurrile Form, die an eine Mischung aus Rikscha und Sandmännchen-Mobil erinnert: Puch LARO 125, außergewöhnlicher Lastenroller aus dem Jahr 1956 mit 5 PS. Schätzwert: 4.500 € - 6.500 €.

Ein Uhrmacher gründet ein Museum

Doch zunächst der Hintergrund der Versteigerung. Wem gehörte die Sammlung? Dem Villacher Unternehmer Rudolf Pirker (Foto). Er war mit 21 Jahren Österreichs jüngster Uhrmachermeister und machte sich 1967 mit einem Juweliergeschäft selbstständig. Seine Leidenschaft gehörte dem Sammeln von alten Uhren, Oldtimern, Radios und Rollern. 1987 gründete er in Villach das an der Draupromenade gelegene Oldtimermuseum, 2007 zog das Museum nach Villach-Zauchen um. Im Jahr 2021 verstarb Rudolf Pirker im Alter von 84 Jahren. Sein Sohn fand keinen Nachfolger für das Museum, das Gebäude wurde österreichichen Medienberichten zufolge an den Betreiber eines Autohauses verpachtet. Die „Villach-Collection“ umfasst 35 Automobile und 166 Zweiräder. 

Viele außergewöhnlich rare Exponate

Für Michael Gross, Director Classic Trader Auctions, ist die Villach Collection kein steriles Portfolio von Anlageobjekten, sondern eine lebendige Chronik. Der Reiz liege genau in dieser Authentizität: „Diese Auktion der Villach Collection ist besonders spannend für Enthusiasten, Sammler und Bastler, die sich für seltene und authentische Fahrzeuge aus Österreich und Europa begeistern. Viele Stücke sind außergewöhnlich rar, oft im Originalzustand erhalten und erzählen die Geschichte einer einzigartigen automobilen Epoche.“ 
Besonders der Fokus auf die heimische Industrie mache die Sammlung zu einem Denkmal für Marken wie Steyr-Puch oder Lohner. Laut Gross spiegelt die Kollektion „eindrucksvoll die österreichische Motorisierung, Mobilisierung und den Erfindergeist vergangener Jahrzehnte wider.“ 

Erfindergeist vergangener Jahrzehnte

„Diese Auktion der Villach Collection ist besonders spannend für Enthusiasten, Sammler und Bastler, die sich für seltene und authentische Fahrzeuge aus Österreich und Europa begeistern. Viele Stücke sind außergewöhnlich rar, oft im Originalzustand erhalten und erzählen die Geschichte einer einzigartigen automobilen Epoche. Die Sammlung spiegelt eindrucksvoll die österreichische Motorisierung, Mobilisierung und den Erfindergeist vergangener Jahrzehnte wider.“

Die Trabi-Sensation: Nur 80 Kilometer auf dem Tacho

Unter den vielen Exponaten sticht ein Fahrzeug besonders hervor, das eigentlich den Alltag der DDR prägte, hier aber als absolutes Unikat auftritt: ein Trabant 601 S, Baujahr 1990. Während die meisten seiner Artgenossen nach der Wende im harten Dauereinsatz verheizt wurden, blieb dieser Wagen eine Zeitkapsel. Mit nur 80 gefahrenen Kilometern befindet sich dieser Trabi im echten Neuwagenzustand. Er ist einer der letzten seiner Art (Exemplar Nummer 2.999.999), montiert, kurz bevor die Ära in Zwickau endete. Ein Muss für Sammler, die nach der „perfekten“ Dokumentation des sozialistischen Automobilbaus suchen. Schätzpreis: bis zu 20.000 Euro.

Der seltene Urahn: Steyr-Puch 55 „Baby“ (1939)

Michael Gross hat für uns weitere persönlichen Highlights aus der Auktion zusammengestellt. Der Steyr-Puch 55 „Baby“ (Baujahr 1939, Foto) war Steyrs Antwort auf die aufkommende Massenmotorisierung der 30er Jahre. Mit seinem 1,1-Liter-Vierzylinder-Boxermotor und der charakteristischen Stromlinienform ist dieser Wagen ein seltener Überlebender der Vorkriegszeit. In der Villach Collection präsentiert er sich als faszinierendes Projekt für Kenner der österreichischen Vorkriegshistorie. Schätzpreis bis 40.000 Euro. 

Der Purist: Porsche 912 (1967)

Für viele ist der Porsche 912 die smartere Alternative zum frühen 911. Mit dem 1,6-Liter-Vierzylinder aus dem 356 SC im Heck bietet er eine ideale Gewichtsverteilung und puristisches Fahrvergnügen. Das Modell (Baujahr 1967) in der Auktion hat die seltene Farbe Blutorange (P2002) und 90 PS. Schätzpreis 25.000 bis 35.000 Euro. 

Die Lohner-Roller-Dynastie

Österreich war in den 50ern eine Roller-Nation, und Lohner das Maß der Dinge. Superroller L 200 (1954, Foto): Mit seinem 200 ccm Motor und dem massiven Blechkleid war er das Luxusmodell auf zwei Rädern (Schätzwert: 3.000 bis 4.000 Euro). L 98 & L 125: Diese Modelle zeigen die Evolution vom leichten Moped-Ersatz hin zum vollwertigen Reisemotorroller. Die in der Sammlung vorhandenen Exemplare bestechen durch ihre oft unberührte Substanz.

Arbeitstiere mit Kultstatus: Haflinger & Jeep

Steyr-Puch Haflinger 700 AP (1960, Foto): Ein technisches Meisterwerk von Erich Ledwinka. Mit Zentralrohrrahmen und Portalachsen kommt dieser Allrad-Zwerg dorthin, wo moderne SUVs längst aufgeben (Wert ca. 18.000 Euro). Willys Jeep CJ-2A (1948): Die zivile Version des Kriegshelden. Ein robuster Klassiker für Fans der US-Historie, der perfekt in den Mix der „Mobilisierung“ passt (Wert: 15 - 18.000 Euro).

So können Sie mitsteigern

Fazit: In der Villach-Collection findet der Profi-Restaurator eine solide Basis, während der Connaisseur auf Stücke trifft, die ihre Patina mit Stolz tragen. Oder, wie Michael Gross treffend zusammenfasst: „Es ist die Chance auf Fahrzeuge, die nicht nur technisch, sondern vor allem emotional eine Ära repräsentieren, die so nie wiederkehren wird.“ 
Und alles auch für kleine Geldbeutel erschwinglich. Mit viel Glück ist sogar das eine oder andere Schnäppchen drin. 

Wie können Sie mitsteigern? 

Die Auktion startet online am 3. März und geht bis zum 15. März (Anmeldung bei Classic Trader). Das Finale findet vor Ort in Villach statt, am 14. und 15. März können sämtliche Exponate nach vorheriger Anmeldung persönlich besichtigt werden. Wichtig: Es gibt kein Mindestgebot ("No Reserve").  Die Teilnahme an der Versteigerung setzt einen verifizierten Account bei Classic Trader voraus. Im Falle eines erfolgreichen Zuschlags erhebt der Veranstalter eine Gebühr in Höhe von 8,5 % des Preises inklusive Mehrwertsteuer. Dabei gelten feste Mindestbeträge: Für Automobile, Motorräder und Motorroller beläuft sich die Provision auf mindestens 500 €, während für die Kategorien Mofa, Mokick, Moped sowie Leichtmotorräder eine reduzierte Mindestgebühr von 250 € berechnet wird. Viel Glück! 

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