Forsa-Umfrage: Mehrheit der Deutschen will Öko-Benzin statt Elektro-Motoren

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Warum werden „Stromer“ so wenig geliebt? Elektromobilität bleibt ein Reizthema – gerade in der Oldtimerszene. Obwohl es inzwischen viele Fachbetriebe gibt, die spezielle Umbau-Kits auch für automobile Klassiker anbieten, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Nach einer aktuellen forsa-Umfrage würde sogar die Mehrheit der Deutschen den klassischen Verbrennungsmotor einem E-Antrieb klar vorziehen.

Im Auftrag von UNITI, dem Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen e.V., hatte das renommierte forsa-Institut im Juli 2022 eine repräsentative Befragung zum Thema „E-Fuels“ durchgeführt. E-Fuels (klimaneutrale, synthetische Kraftstoffe) sind die letzte große Hoffnung für die Automobilindustrie, den Verbrennungsmotor noch zu retten - im Juni hatten die EU-Umweltminister das Aus für Neuwagen mit Verbrenner ab 2035 beschlossen.
Auch Oldtimer und Youngtimer können mit dem Öko-Benzin ohne Umrüstung fahren.

Ergebnis der forsa-Umfrage: Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland möchte E-Fuels tanken. Vor die Wahl gestellt, möglichst klimafreundlich Auto zu fahren und sich dafür zwischen einem Diesel- oder Benzinauto, das mit synthetischen Kraftstoffen betankt wird, oder einem Elektroauto zu entscheiden, würden 58 Prozent auf den mit E-Fuels betriebenen Verbrenner setzen und nur 30 Prozent auf das Elektroauto.
„Uns überrascht die Umfrage nicht“, so Jan Hennen, Sprecher des Bundesverbandes für Clubs klassischer Fahrzeuge e.V. DEUVET, zum OCC-Magazin. Der DEUVET ist die Interessenvertretung von über 100 Oldtimerclubs und Vereinen in Deutschland mit mehr als 10.000 Mitgliedern.
Jan Hennen: „Der Einstiegspreis für E-Autos wird für viele Autokäufer zu hoch sein. Da sind lang genutzte Verbrenner mit klimaneutralem Kraftstoff viel wirtschaftlicher.“

Wie steht der DEUVET generell zu Umbauten von Oldtimern auf E-Antrieb?

„Solche Umbauten sind extrem teuer und führen zum Verlust des „Oldtimerfeelings“, vor allem zum Verlust der Zulassung als historisches automobiles Kulturgut, der H-Zulassung. Der DEUVET unterstützt die Ablehnung auch der FIVA, unter anderem mit seinem DEUVET Thesenpapier Nr. 11 zur historischen Mobilität. Die Umrüstung von Oldtimern auf E-Antrieb führt bereits heute zur Aberkennung des H-Zulassung und das muss unbedingt so bleiben", erklärt Jan Hennen.

Aber warum ist die Akzeptanz gegenüber E-Mobilität bzw. E-Umbau-Kits noch so gering?

Zu den Hauptgründen gehören natürlich die generelle Verfügbarkeit von Ladestationen für E-Fahrzeuge (Ladeinfrastruktur) und die hohen Anschaffungs- und Umbaupreise. Aber auch die Sorge um den Wirtschaftsstandort Deutschland treibe die Menschen laut forsa-Umfrage um. 74 Prozent der Befragten befürchten, dass Deutschland beim Bau von E-Autos von Rohstoffimporten aus China abhängig wird, 53 Prozent erwarten den Verlust von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie in Deutschland, wenn Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor verboten werden und 54 Prozent der Menschen in Deutschland sorgen sich, dass Elektromobilität bei steigenden Strompreisen für sie nicht bezahlbar sein wird.

UNITI-Geschäftsführer Elmar Kühn: „Die Menschen in Deutschland haben offenkundig ein feines Gespür für die großen Risiken, die mit einer Abkehr vom Verbrennungsmotor und mit einem Fokus allein auf die E-Mobilität verbunden wären. Wer den Verbrennungsmotor – und dass trotz der Option, diesen CO₂-neutral mit E-Fuels zu betreiben - verbieten und einzig auf die Elektromobilität setzen möchte, verabschiedet sich von der bezahlbaren individuellen Mobilität für Jedermann, begibt sich in eine Rohstoffabhängigkeit von China und legt die Axt an Standorte sowie Arbeitsplätze der Automobilwirtschaft in Deutschland.“

E-Mobilität – für die Oldtimer-Community zudem auch noch ein ganz grundsätzliches Problem. Rüste man automobile Klassiker auf E-Antrieb um, nähme man ihnen die Seele, argumentiert der DEUVET. Sprecher Jan Hennen: „Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter baut in das Gehäuse einer wertvollen Stradivari ja auch keinen Elektroverstärker ein…“ (dr)

Hier geht's zur forsa-Umfrage von UNITI.


Fotos: eFuels-Forum - Christian Lühmann GmbH | UNITI Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen e.V.

Forsa umfrage

Die Präferenzen sind klar. Vor die Wahl gestellt, künftig einen Verbrenner mit E-Fuels oder ein Fahrzeug mit E-Motor zu fahren, entscheiden sich die meisten Befragten für das Auto mit klimaneutralem Öko-Kraftstoff.

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