D

So teuer ist ein Oldtimer wirklich im Monat

Sascha keilwerth 3 65a6845b26e7f
Beitrag teilen

Ist das Hobby Oldtimer nur etwas für Menschen mit dickem Geldbeutel? Was kostet es eigentlich im Monat, einen Klassiker zu besitzen? Diese Fragen werden immer wieder heiß diskutiert – und die Antworten sind meist emotional.
Denn zum Kaufpreis kommen noch eventuelle Reparatur – und Werkstattkosten, Steuern, Versicherung, Geld für die Miete von Garage oder Stellplatz, Pflege und Kraftstoffkosten.

Das alles sollten Neulinge in der Oldtimerszene bedenken und einen privaten Kassensturz machen.
Reicht die Ersparnis tatsächlich für den Erwerb eines Oldtimers oder Youngtimers? Bleibt nach Abzug aller sonstigen Kosten (Miete, Lebensunterhalt) monatlich wirklich noch genug Geld über für den Unterhalt eines möglichen (Zweit)-Fahrzeugs?

Diese Gedanken darf man nicht verdrängen: Oldtimer-Fixkosten fallen jeden Monat an, zwölfmal im Jahr – darüber müssen sich die Besitzer im Klaren sein.
Und es ist eben ein Zweitauto, kein Alltagsfahrzeug, mit dem man jeden Tag zur Arbeit fährt. Oldtimerbesitz ist oft auch Luxus. Sicher, es kommt darauf an, welchen Zustand und Wert das Liebhaberfahrzeug hat. Besitzer eines Rolls Royce Phantom V haben andere Unterhaltskosten als die eines VW Käfer.
Wir haben mit Experte Sascha Keilwerth (siehe Titelbild) die exakten Kosten durchgerechnet: Was kostet ein Oldtimer wirklich?

So viel sei vorab verraten: Unterm Strich kommt eine Summe raus, die Sie erstaunen wird.

Porsche

Machen Sie einen gründlichen Kassensturz, bevor Sie sich Ihren ersten Oldtimer kaufen. Es muss ja nicht gleich ein Porsche sein (obwohl es natürlich toll wäre)

1. Frage: Welches Auto passt zu mir?

Sascha Keilwerth von den Auktionsplattform getyourclassic.com kennt die Fragen nach den Kosten eines Klassikers nur zu gut. Er ist ausgewiesener Experte für VW und Porsche: „Vorab stellt sich die allererste, wichtigste Frage: Was will ich mit dem Auto machen und welches passt zu mir oder ist seit Ewigkeiten mein Traum?´ Daraus resultiert dann auch der nötige Zustand; ob man es selber restaurieren, es einfach nur fahren möchte oder als Investment betrachtet. Die, meiner Meinung nach, gesündeste Herangehensweise ist, das Auto als Familienmitglied zu betrachten auf Grund der Eigenheiten, Emotionen und dem Unterschied zum modernen daily driver.“
Wenn man selbst nicht vom Fach ist, sollte man unbedingt einen Fachmann hinzuziehen. Sascha Keilwerth: „Ich sage ganz bewusst Fachmann, denn ein Gutachter einer Organisation ist schon spitze, aber die Fälscher und Betrüger sind auch clever, weshalb es sich empfiehlt einen Spezialisten für Ihr Wunschfahrzeug zu engagieren. Denn der kennt in der Regel die ,Krankheiten´ und ,Betrugsstellen´ am Auto. Ein Gutachter bewertet diverse Fahrzeuge und kann nicht in Allem ein Spezialist sein, aber natürlich möglicherweise Spezialist für Ihr Wunschauto. Wichtig ist also eine gründliche Vorab-Recherche über das Wunsch-Fahrzeug.“

Diebstahl

Hohe Diebstahlquoten in Städten oder Landkreisen können sich negativ auf die Versicherungsbeiträge auswirken

Es kommt darauf an, wo man wohnt

Bevor wir eine Kalkulation beginnen, ist natürlich wichtig zu erwähnen, dass die Kosten von folgenden Faktoren abhängen:

  • Welches technischen Netzwerk steht zur Verfügung? (Bedeutet: Ist man selbst technisch begabt oder gibt es im Bekannten- und Freundeskreis professionelle Schrauber)
  • Wie sind die örtlichen Begebenheiten? Ist die Heimatstadt oder der Landkreis eine Region mit hoher Diebstahlquote? Ist für guten Schutz durch eine Garage gesorgt?
  • Wie oft soll der Oldtimer genutzt werden?

Eine Laufleistung von etwa 3000 km im Jahr erreichen Sie schon, wenn Sie ein paarmal im Jahr eine Tour ins Umland machen und vielleicht an zwei Oldtimerrallyes teilnehmen.

VW Käfer

Erschwinglich und günstig im Unterhalt, wenn die Substanz in Ordnung ist: VW Käfer Typ 11 1200 (Baujahr 1976)

Unser Beispiel-Oldie: ein VW Käfer 1302 S (Baujahr 1972)

Sascha Keilwerth: „Wir nehmen als Kosten-Beispiel eine solide 70er Jahre Käfer Limousine, die man für durchschnittlich 10.000 Euro erwirbt. In unserem Fall ist es ein VW Käfer 1302 S (Baujahr 1972), 1600 ccm, 50 PS, Zustand 2, Wert 11.500 Euro. In diesem Zustand sollten Fahrwerk, Bremsen und Motor sowie elementare Durchrostungen kein Thema sein. Das sollte aber ein Fachmann beurteilen. Unbedingt beachten: Lassen Sie sich beim Kauf nie von Emotionen leiten, das endet oft in einem finanziell unangemessenen Drama.“

Käfer-Motor

Lassen Sie wichtige Aggregate wie den Motor vor dem Kauf von einem Fachmann checken - ein Gutachten allein sagt nicht viel aus

So hoch sind die Kosten

H-Kennzeichen: einmalig ca. 200 Euro

Laut TÜV kostet das Gutachten (je nach Aufwand und Bundesland) ab etwa 100 Euro. Dazu kommen die Kosten von rund 40 Euro für die Zulassungsgebühren, etwa 20 Euro Gebühren für Wunschkennzeichen und rund 40 Euro für das Prägen der Nummernschilder. Macht zusammen 200 Euro. Eventuell ist Ihr Fahrzeug aber auch schon mit einem H-Kennzeichen zugelassen. Hier bei der Übergabe auf den Erhalt des Oldtimergutachtens (Paragraph 23 StVZO) achten.

Steuern: 191,73 Euro

Die Kosten der Steuer belaufen sich auf eine jährlich pauschale Summe in Höhe von 191,73€ egal ob für Pkw oder Lkw.

Versicherung: ca. 287 Euro pro Jahr

Die Versicherung ist abhängig von Standort, Wert, Zustand und jährlicher Laufleistung abhängig. Bei OCC kostet dieser VW Käfer zum Beispiel, wenn er in Berlin zugelassen ist, 287 Euro pro Jahr bzw. Angesetzt wurde eine maximale Laufleistung von 5.000 km/Jahr. Achtung: diese Prämie kann variieren, je nachdem, wo man wohnt. Die Versicherungen kalkulieren hier z.B. auch das Diebstahlrisiko und das Unfallrisiko aus statistischen Werten der jeweiligen Region. Einfluss auf die Prämie hat auch u.a. die Angabe, ob das Fahrzeug auf einem nicht überdachten Stellplatz oder in der Garage steht.

Unterhalt technisch: 250 Euro pro Jahr

Sascha Keilwerth: „Bei einem Käfer steht laut Werksangabe ein Ölwechsel alle 3.000 km an, da er keinen Filter hat, sondern nur ein Sieb. Bei einer Ölmenge von 2,5 Litern sind das keine hohen Kosten. Zusätzlich alle 2 Jahre sollte man die Bremsflüssigkeit wechseln und die Vorderachse abfetten, es sei denn, er hat schon die Vorderachse mit Federbeinen. Summiert sind das ca. 250 Euro / Jahr.

Pflege: ca. 400 Euro pro Jahr

Neben der normalen Wäsche sollte man dem Käfer nach dem Kauf eine Versiegelung der Hohlräume und des Unterbodens gönnen. Hier variieren die Preise zwischen 400 Euro bis 2.000 Euro.

Stellplatz: ca. 100 Euro pro Monat

„Es ist grundsätzlich nicht schlimm, wenn Ihr Oldie Regen abbekommt, aber Schnee in Verbindung mit Salz und der Lauge auf den Straßen ist leider ein toller Nährboden für Rost. Ein Unterstellplatz muss nicht warm sein, aber sollte unbedingt trocken sein und nicht rapiden Temperaturveränderungen unterliegen, damit kein Kondenswasser entsteht. Deswegen gilt: Wenn man den Käfer nicht in der eigenen Garage abstellen kann, sollte man im Monat je nach Region zwischen 50 Euro bis 150 Euro für einen Stellplatz in der Tiefgarage kalkulieren“, erklärt Sascha Keilwerth.

Benzinkosten: 500 Euro pro Jahr

Bei einer Laufleistung 3000 km und einem realistisch durchschnittlichen Verbrauch um die 10 Liter liegen die jährlichen Benzinkosten bei einem Literpreis für Super 95 von 1,70 Euro um 500 Euro im Jahr.

Summe der Kosten: 202 Euro pro Monat

Summe der jährlichen Kosten:

Steuern: 191,73€

Versicherung: 287,00€

Unterhalt technisch: 250,00€

Stellplatz: 1.200,00€

Benzin: 500,00€

------------------------------------

Summe: 2428 Euro

Somit errechnet sich ein Beitrag von 2428 Euro / Jahr oder 202 Euro / Monat. Ohne Stellplatzgebühr würde man jährlich 1.228 Euro oder und monatlich 102 Euro für den VW Käfer aus unserem Beispiel bezahlen.

Sascha keilwerth 2 65a684570f104

Vom Fach: Sascha Keilwerth von der Auktionsplattform getyourclassic.com ist ausgewiesener Experte für VW und Porsche,

Fazit: Es ist günstiger als man denkt

Oldtimer fahren kann also günstiger sein, als man denkt (wenn man noch keinen Klassiker besitzt). Allerdings sollten Neulinge bei unserem Beispiel beachten, dass wir von einem Fahrzeug in gutem Zustand ausgehen, das ein Spezialist vorher auf Herz und Nieren geprüft hat. „Um dies auch in Ihrem Fall zu gewährleisten, sollten Sie einen Spezialisten finden, der Ihnen beim Kauf zur Seite steht. Lassen Sie sich nicht nur von Gutachten überzeugen und achten Sie auf inhaltliche Transparenz beim Fahrzeug. Rechnungen sagen nichts über die Qualität der durchgeführten Arbeiten aus und sollten daher auch fachmännisch beurteilt werden“, rät Experte Sascha Keilwerth.
Unser Tipp: CT Inspections, Partner von OCC, kooperiert deutschlandweit mit qualifizierten Sachverständigen von TÜV Rheinland, FSP und TÜV SÜD, um Kurzgutachten und qualifizierte Wertgutachten anzubieten. Mehr Informationen gibt es hier. (dr)

Fotos: Sascha Keilwerth | getyourclassic.com

Das Gutachter-Netz von OCC: https://occ.eu/service/wertgutachten
Oldtimer kaufen bei getyourclassic unter: https://de.getyourclassic.com/

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Was machen eigentlich die Ludolfs?
Rentner Uwe sammelt jetzt Oldtimer

20. Dezember 2023

Was machen eigentlich die Ludolfs? Mit einem der berühmten Brüder vom Schrottplatz haben wir gesprochen. Welche Oldies Uwe Ludolf liebt und was es sonst Neues gibt, lesen Sie hier...

Mehr erfahren

Noch Geheimtipps: Fünf Newtimer, die bald Raritäten werden

10. Januar 2024

Noch hat sie niemand so richtig auf dem Schirm: Wir stellen Ihnen fünf interessante Newtimer vor, die das Zeug haben, künftig begehrte Klassiker zu werden.

Mehr erfahren