Ganz großer Auftritt:
Moviecars - die heimlichen Filmstars

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Von EMINE JAEGER
Ruhrpott-Raubein Horst Schimanski (Götz George, 1938-2016) stieg in seinen superlangen Citroën CX, um Schurken zu jagen. Detektiv Josef Matula (Claus Theo Gärtner) löste seine „Ein Fall für zwei“-Fälle im ZDF anfangs im Alfa Romeo Giulia, später in den Modellen 75, 155 und 156. Nicht zu vergessen natürlich die eleganten Aston Martin-Boliden aus der Grafschaft Warwackshire, die Superagent Bond im Auftrag Ihrer Majestät steuerte. Oder Käfer „Herbie“, Batmans Batmobil, Horror-Plymouth Fury, Steve McQueens Ford Mustang all diese Autos sind die heimlichen Filmstars!
Eben echte Moviecars, die das Salz in der Suppe vieler Kino- und TV-Produktionen waren.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Kommt ein neuer „Fast & Furious“-Streifen in die Kinos, werden die darin vorkommenden Sportwagen und Klassiker von der Community meist heißer gehandelt als die Schauspieler. Eine alte Derrik-Folge aus den 70er oder 80ern ohne die BMW der 3-er-, 5-er- oder 7er-Reihe? Undenkbar. Von Knight Riders K.I.T.T über den DeLorean DMC-12 von Marty McFly und Doc Brown („Zurück in die Zukunft“) bis zum 69er Dodge Charger mit dem Namen „General Lee“ der Dukes of Hazzard.
Diese Fahrzeuge haben echten Kultstatus erlangt. Bei Zuschauern lösen sie Emotionen aus, oft ist es Nostalgie und der Rückblick in die eigene Kindheit.

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Ein Aston Martin DB5 am Filmset von "James Bond - Keine Zeit zu sterben" in Matera, Italien.

Doch wie schaffen es die Oldies, sich in unser Gedächtnis einzubrennen?

Schließlich sind sie oft nur kurz zu sehen. Doch manchmal reichen nur wenigen Sekunden für den ganz großen Auftritt.
Man unterscheidet zwischen Fahrzeugen, die passiv oder aktiv Einfluss auf die Story haben. Bestes Beispiel für eine Hauptrolle ist der 58er Plymouth Fury aus dem Horrorfilm „Christine“ (1983) nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King. Aber er ist nichts das einzige Filmauto, das über ein Eigenleben verfügt. Ein weiteres Fahrzeug mit eigenem Willen ist "Herbie" - ein VW Käfer, der 1968 in "Ein toller Käfer" sein Kinodebüt feierte. Heute zählt der Kinofilm zu den erfolgreichsten Realfilmen, die von Disney je produziert wurden.

Inhalt: Jim Douglas ist bislang erfolgloser Rennfahrer. Das ändert sich, als er auf Käfer „Herbie“ stößt und die beiden mehrere Rennen erfolgreich meistern. Herbie wurde zum legendären Filmauto, weil er Jung und Alt zu begeistern weiß. Er ist ein treuer Freund, der Jim nie im Stich lässt. Ein Drehbuch-Stoff, sich gut verwerten ließ. Aus zunächst einem Film ging eine bislang fünfteilige Reihe hervor, deren vorerst letzter Teil im Jahr 2005 in die Kinos kam.

Beim eigentlichen Fahrzeug handelt es sich um ein VW Käfer Exportmodell Baujahr 1963 mit Sonnendach. Seine Erkennungsmerkmale sind die weiß-rot-blauen Rennstreifen, die Startnummer 53 und das Kennzeichen "California OFP 857." Insgesamt sollen sieben Original-Fahrzeuge existieren, von denen eines im Jahr 2012 für 96.000 Britische Pfund (113.040,48 Euro) versteigert wurde.

Der Einfluss von Moviecars auf den Automarkt

Noch bis heute ist der Oldtimermarkt bemerkenswert beeinflusst von Filmen und Serien aus vergangenen Jahrzehnten, denn oft werden Moviecars zu Sammlerstücken und steigen durch ihre Begehrtheit extrem in ihrem Wert an.
So war es beispielsweise beim Filmauto "Christine". Seinerzeit war der 1958er Plymouth Fury mehr als alles andere gefragt. Der Film machte den Klassiker nicht nur begehrt, sondern ließ ihn zu einem Kultfahrzeug aufsteigen, was zu einem deutlichen Anstieg der Gebrauchtwagenpreise führte und somit viele Modelle vor der Verschrottung bewahrte. So glücklich wie bei Christine lief es jedoch nicht immer.

Der Kult um den DeLorean als Filmauto aus „Zurück in die Zukunft“ entstand beispielsweise erst im Lauf der Jahre. Aufgrund der kurzen Bauzeit und niedrigen Verkaufszahlen befanden sich vergleichsweise wenige Fahrzeuge auf dem Markt oder im Privatbesitz. Die jedoch heute noch erhältlichen Gebrauchtfahrzeuge werden zu stattlichen Preisen gehandelt und restauriert, um an Plätzen wie den Universal Studios in Hollywood bewundert zu werden.

Warum sind passende Filmautos so wichtig?

So wie Autos aus unserer realen Welt kaum wegzudenken sind, spielen sie natürlich auch in Filmen oder Serien eine sehr wichtige Rolle. Sie verleihen Filmen ein deutliches Zeitraster, versetzen uns in ein bestimmtes Milieu oder können helfen, Filmfiguren zu charakterisieren. Und sie werden manchmal selbst zu Legenden, so wie der Ford Mustang in „Bullit“, mit dem Steve McQueen seine Qualitäten als Rennfahrer unter Beweis stellen konnte.

Häufig besteht auch zwischen Autoherstellern und den Filmproduktionen eine gewisse Symbiose, für beide Seiten ergeben sich positive Effekte aus dem Einsatz einer bestimmten Marke oder eines bestimmten Fahrzeugtyps. Ein Aston Martin DB5 wäre sicherlich ohne James Bond weit weniger bekannt und auch der Umstand, dass der Geheimagent zeitweise BMW fuhr, hatte durchwegs positive Aspekte für die bayrischen Motorwerke, die den berühmten Spion mehrere Filme lang mit Fahrzeugen aller Art ausstatteten.

Wer beschafft die Film-Klassiker?

Gerade bei historischen Filmen ist es gar nicht so einfach, heute noch geeignete und dazu fahrbare Oldtimer zu bekommen. Das führte dazu, dass sich diverse Verleiher darauf spezialisiert haben, Filmsets mit solchen historischen Schätzen auszustatten. So verdient sich der eine oder andere Oldtimerbesitzer das „Benzingeld“ für Ausfahrten, in dem er seinen Klassiker für ein paar Tage für Dreharbeiten zur Verfügung stellt. Aber die auch Filmprofis sind oftmals wählerisch. Ist es die historisch richtige Lackierung? Sehen Nummernschilder echt aus? Passen Sitzpolster und Scheinwerfer in die Zeit?

Wertvolle Oldtimer müssen zudem per Transporter zum Filmset gefahren werden. Und natürlich sind die automobilen Schätze per Versicherung (z.B. einer Drehortversicherung der Produktionsfirma) gut geschützt. So abgesichert und behütet, werden die wertvollen Fahrzeuge wie kleine Filmdiven behandelt. Zu Recht: Schließlich sind sie die heimlichen Stars in jedem Streifen...

Fotos: WDR | Adobe Stock

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Der futurische DeLorean DMC-12 (von 1981-82 gebaut) ist untrennbar mit der Hollywood-Trilogie "Zurück in die Zukunft" verbunden.

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