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Geheimes Piëch-Monster: Der BMW M5 mit dem Power-Herz von VW

29. September 2026 Autor: Dorian Rätzke

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Ein BMW M5 E39 ist an sich schon ein Statement, was Kraft und Fahrdynamik angeht. Doch was passiert, wenn Ferdinand Piëch höchstpersönlich einen M5 als rollendes Labor umbauen ließ, um einen geheimen W10-Motor zu testen? Ergebnis: Ein Unikat mit 480 PS, das jetzt unter den Hammer kommt. Wir erzählen die Geschichte vom geheimen M5 mit VW-Motor. 

Ein Meisterwerk im Tarnkleid: Unter der Carbon Black Karosserie dieses unauffälligen BMW M5 E39 schlummert der geheimnisvolle VW W10 Prototyp mit 480 PS, ein automobiles Phantom aus Ferdinand Piëchs persönlichem Fuhrpark.

Ein Meisterwerk im Tarnkleid: Unter der Carbon Black Karosserie dieses unauffälligen BMW M5 E39 schlummert der geheimnisvolle VW W10 Prototyp mit 480 PS, ein automobiles Phantom aus Ferdinand Piëchs persönlichem Fuhrpark.

Ein M5 (Neupreis 140.000 D-Mark) wurde geopfert

Es klingt wie die verrückte Idee eines Tuners, ist aber echte Automobilgeschichte: Als Dr. Ferdinand Piëch (1937–2019) Ende der 1990er-Jahre bei Volkswagen die Motoren-Entwicklung vorantrieb, fehlte für das geheime Projekt eines Fünfliter-W10-Saugmotors der passende Untersatz. Da weder VW noch Audi zu dieser Zeit eine vergleichbare Power-Limousine im Programm hatten, griff der VW-Übervater kurzerhand zu den Produkten der Konkurrenz aus München.
Ein fabrikneuer BMW M5 E39 (Baujahr 1999, Neupreis 140.000 D-Mark) musste herhalten. Sein werkseitiger V8 (S62) mit 400 PS wurde herausgerissen. An seine Stelle pflanzte ein Ingenieursteam um Sabine Willeke einen rein experimentellen, komplett aus Aluminium gefertigten 5,0-Liter-W10-Saugmotor.

480 PS, Sechsgang-Schalter und keine Fahrhilfen

Die Eckdaten dieses automobilen Phantoms lassen Kennern das Wasser im Mund zusammenlaufen:
Leistung: 480 PS und 592 Nm Drehmoment (80 PS mehr als ein serienmäßiger E39 M5).
Kraftübertragung:  Manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe.
Charakter: Traktionskontrolle, ESP und ABS wurden komplett deaktiviert. Die Steuerung übernahm ein frei programmierbares Rennsport-Steuergerät für kompromisslos direkte Gasannahme.
Interessantes Detail am Rande: Ferdinand Piëch nutzte das stealth-schwarze Einzelstück (Farbe: Carbon Black Metallic) während der Entwicklungsphase zeitweise als persönliches Dienstfahrzeug auf roten Nummern. Es heißt, das gesamte Inoffiziell-Projekt habe den Konzern damals knapp zwei Millionen Euro gekostet.

Die Wiege des Bugatti W16

Insgesamt entstanden von der W10-Architektur lediglich drei Triebwerke. Die Erkenntnisse aus dem Zylinder-Experiment flossen direkt in die spätere W-Motoren-Familie ein – und bildeten das geistige Fundament für den legendären Quad-Turbo-W16 des Bugatti Veyron.
Nach Abschluss der Erprobung geriet der M5 W10 keineswegs in die (Schrott)-Presse. Vor rund zehn Jahren erwarb ein Kenner den fahrbereiten Prototyp, meldete ihn in der Slowakei für den Straßenverkehr an und bewegte ihn bis heute regelmäßig. Im Innenraum zeugen ein Stack-Rennsport-Instrumententräger sowie Zusatzinstrumente in der Mittelkonsole von der einzigartigen Vergangenheit des M-Bayers.

Versteigerung bei Broad Arrow Auctions

Wer dieses absolut einmalige Stück Automobilhistorie besitzen möchte, hat nun die Chance: Im Rahmen der Zoute Concours Auction 2026 (Broad Arrow Auctions / Hagerty) wird der M5 W10 am 9. Oktober 2026 versteigert.
Der Schätzwert liegt zwischen 250.000 und 350.000 EUR – inklusive eines zweiten, originalen W10-Prüfstandsmotors auf Ausstellungsständer und einer Designzeichnung. Exklusiver für eine Sammlung geht es nun wirklich nicht – Wertsteigerung inbegriffen ... 

Fotos: Broad Arrow Auctions / Hagerty | Volkswagen AG 

Hier geht es zur Auktion.  

Ferdinand Piëch (1937–2019): Der Visionär des Automobilbaus

Ferdinand Piëch (Foto) war eine der prägendsten Figuren der globalen Autogeschichte. Als Enkel von Ferdinand Porsche und promovierter Maschinenbau-Ingenieur vereinte er geniale Konstruktionskunst mit absolutem Machtbewusstsein. Bereits in seinen frühen Jahren bei Porsche schuf er Legenden wie den Rennwagen 917. Später formte er Audi mit technischen Pioniertaten – darunter der permanente Allradantrieb quattro und der Fünfzylindermotor – zur vollwertigen Premiummarke auf Augenhöhe mit BMW und Mercedes.

Als Vorstandsvorsitzender (1993–2002) und späterer Aufsichtsratschef verwandelte er Volkswagen von einem angeschlagenen Volumenhersteller in einen Weltkonzern und verharre nicht bei Massenmodellen: Marken wie Bugatti, Bentley und Lamborghini wurden unter seiner Ägide eingegliedert. Sein akribischer, teils gefürchteter Qualitätsanspruch brachte Prestigeobjekte wie den 1.001 PS starken Bugatti Veyron, den technisch kompromisslosen VW Phaeton und das bahnbrechende 1-Liter-Auto hervor.

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