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Neue Studie: So ticken Deutsche und Österreicher beim Thema Oldtimer

7. Oktober 2026 Autor: Dorian Rätzke

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Gute Nachrichten für die Freunde historischer Fahrzeuge: 92 Prozent der Österreicher freuen sich, wenn ihnen ein Oldtimer auf der Straße begegnet. In Deutschland sind es 82 Prozent. Noch überraschender: 68 Prozent der 18- bis 30-Jährigen in Österreich können sich vorstellen, selbst einen Klassiker zu besitzen. Wer glaubt, historische Fahrzeuge seien vorwiegend ein Hobby älterer Generationen, dürfte bei diesen Zahlen aufhorchen. Zwei aktuelle Studien aus Deutschland und Österreich zeigen, wie groß die Sympathie für Old- und Youngtimer in beiden Ländern tatsächlich ist. 

Österreich hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe der europäischen Oldtimer-Szene entwickelt. Hochkarätige Veranstaltungen wie das traditionsreiche Gaisbergrennen in Salzburg ziehen auch zahlreiche Teilnehmer aus Deutschland an. Das Bild zeigt die Fahrzeugabnahme vor Schloss Hellbrunn.

Österreich hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe der europäischen Oldtimer-Szene entwickelt. Hochkarätige Veranstaltungen wie das traditionsreiche Gaisbergrennen in Salzburg ziehen auch zahlreiche Teilnehmer aus Deutschland an. Das Bild zeigt die Fahrzeugabnahme vor Schloss Hellbrunn.

Große Sympathie auf beiden Seiten der Grenze

Historische Fahrzeuge genießen in beiden Ländern einen bemerkenswerten Rückhalt. In Österreich finden 93 Prozent der Menschen den Anblick von Oldtimern sympathisch, 92 Prozent freuen sich über einen Klassiker auf der Straße und 91 Prozent sehen in ihnen erhaltenswertes Kulturgut, so die brandaktuelle Studie „Oldtimer in Österreich 2026“ (Herausgeber: Kuratorium Historische Mobilität Österreich).  
Auch in Deutschland fällt das Bild deutlich positiv aus. Laut der aktuellen BBE-Classic-Studie freuen sich 82 Prozent der Befragten, wenn sie einen Oldtimer sehen. 86 Prozent betrachten klassische Fahrzeuge als Kulturgut. 
Die Zahlen zeigen: Oldtimer sind längst kein Nischenthema für eine kleine Gruppe von Enthusiasten. Sie werden von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung als Teil der Mobilitäts- und Kulturgeschichte wahrgenommen. 

Warum die Österreicher noch etwas begeisterter sind

Der direkte Vergleich offenbart dennoch Unterschiede. Die emotionale Bindung fällt in Österreich deutlich stärker aus. Dort empfinden 93 Prozent Sympathie für historische Fahrzeuge. In Deutschland freuen sich 82 Prozent der Befragten, wenn sie einen Oldtimer auf der Straße sehen. 
Gleichzeitig betrachten die Österreicher Oldtimer besonders häufig als sichtbares Kulturgut im öffentlichen Raum. 86 Prozent wünschen sich, dass historische Fahrzeuge auch künftig auf den Straßen präsent bleiben. 
Mag. Christian Schamburek, Autor der Studie „Oldtimer in Österreich 2026“ und Generalsekretär des Kuratoriums Historische Mobilität Österreich, ordnet die Ergebnisse entsprechend ein: „Damit die österreichische Oldtimerszene auf Fakten und einen einheitlichen Datenpool zurückgreifen kann, haben wir 2017 begonnen, diese Studie zu etablieren. 2026 spiegelt nun den aktuellen Stand wider. Die Sympathiewerte zeigen, wie breit Oldtimer in der Bevölkerung verankert sind: 93 Prozent finden sie sympathisch, 92 Prozent freuen sich, wenn ihnen ein historisches Fahrzeug begegnet. Für unsere Interessenvertretung ist das ein starkes Argument. Es macht deutlich, dass der Erhalt historischer Fahrzeuge nicht nur ein Anliegen ihrer Besitzer ist, sondern auf breite gesellschaftliche Zustimmung stößt. Diese Rückendeckung hilft uns, den Dialog mit Politik und Behörden sachlich und selbstbewusst zu führen.“ Die Daten scheinen ihm recht zu geben. Historische Fahrzeuge werden in Österreich nicht primär als Verkehrsmittel wahrgenommen, sondern als Teil des kulturellen Erbes.

Die Umweltdebatte spielt nur eine Nebenrolle

Kritiker verweisen regelmäßig auf Emissionen historischer Fahrzeuge. Doch die Studien zeichnen ein differenzierteres Bild. In Österreich entfallen lediglich 0,8 Prozent der gesamten Pkw-Fahrleistung auf Fahrzeuge über 30 Jahre. 
Auch in Deutschland wird die Umweltbelastung von vielen Befragten als überschaubar bewertet. 51 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Oldtimer aufgrund ihrer geringen Fahrleistung der Umwelt nicht nennenswert schaden. Gleichzeitig lehnen nur 11 Prozent die günstigere Besteuerung von Fahrzeugen mit H-Kennzeichen grundsätzlich ab. 
Bedeutet: Die gesellschaftliche Diskussion über historische Fahrzeuge wird zwar geführt, dominiert die öffentliche Wahrnehmung aber nicht.

Überraschung bei der Gen Z

Eine der spannendsten Erkenntnisse kommt aus Österreich. Dort können sich 57 Prozent aller Befragten vorstellen, selbst einen Oldtimer zu besitzen. In der Altersgruppe zwischen 18 und 30 Jahren steigt dieser Wert sogar auf 68 Prozent. Widerspricht das nicht dem häufig gezeichneten Bild einer jungen Generation, die sich kaum noch für Autos interessiert?
Zumindest teilweise schon. Die österreichische Studie zeigt, dass die Faszination für historische Fahrzeuge auch bei jungen Erwachsenen ungebrochen ist. Nostalgie spielt dabei naturgemäß eine geringere Rolle als bei älteren Besitzern. Stattdessen stehen Individualität, Design, Technik und das besondere Fahrerlebnis im Vordergrund. 

Deutschland setzt auf die Youngtimer von morgen

Während sich die österreichische Untersuchung vor allem auf klassische Fahrzeuge ab 30 Jahren konzentriert, richtet die deutsche Studie den Blick stärker auf die Youngtimer. Mit mehr als vier Millionen Fahrzeugen zwischen 20 und 29 Jahren bildet dieses Segment einen großen Nachwuchspool für die Klassikerszene. Besonders Modelle der 1990er- und frühen 2000er-Jahre entwickeln sich zunehmend vom einstigen Alltagsauto zum begehrten Sammlerfahrzeug.
Genau hier sehen viele Experten den Nachwuchs der Szene. Was heute ein Audi A4 B5, BMW E46 oder Mercedes W210 ist, könnte in wenigen Jahren denselben Kultstatus genießen wie Käfer, W123 oder Porsche 911 F-Modell . Die Begeisterung verschwindet also nicht, sie verschiebt sich lediglich auf andere Fahrzeuggenerationen.
Till Waitzinger, Chief Relationship Officer bei OCC, sieht darin eine wichtige Entwicklung:
„Youngtimer bilden die Brücke zur nächsten Generation von Klassikerfreunden. Sie ermöglichen einen erschwinglichen Einstieg in die Szene und sorgen dafür, dass automobiles Kulturgut auch künftig lebendig bleibt.“

Oldtimer bewegen nicht nur Herzen, sondern auch Millionen

Wer bei Oldtimern nur an Ausfahrten, Chrom und nostalgische Erinnerungen denkt, unterschätzt ihre wirtschaftliche Bedeutung deutlich.
In Österreich beziffert die aktuelle Studie die jährliche Wirtschaftsleistung der Oldtimerbranche auf rund 787 Millionen Euro. Dazu zählen unter anderem Ausgaben für Wartung, Restaurierung, Versicherungen, Veranstaltungen, Tourismus sowie der Handel mit historischen Fahrzeugen. Rund 115.000 Menschen besitzen dort mindestens einen Oldtimer, der geschätzte Fahrzeugbestand in privater Hand hat einen Wert von rund 6,3 Milliarden Euro. 
Auch in Deutschland sind historische Fahrzeuge längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die aktuelle BBE-Studie errechnet für das Oldtimer-Segment ein jährliches Marktpotenzial von rund 3,5 Milliarden Euro für Wartung, Reparaturen, Restaurierungen sowie Karosserie- und Lackarbeiten. Hinzu kommt ein weiteres Potenzial von rund 4,5 Milliarden Euro im Youngtimer-Bereich. 
Besonders bemerkenswert: Die wirtschaftliche Bedeutung entsteht nicht durch täglichen Einsatz auf der Straße, sondern durch den Erhalt der Fahrzeuge. Restauratoren, Sattler, Lackierer, Motorenbauer und spezialisierte Werkstätten profitieren ebenso von der Szene wie Veranstalter, Hotels und die Gastronomie. 
Die Studien kommen damit zu einer ähnlichen Schlussfolgerung: Oldtimer sind weit mehr als ein Freizeitvergnügen für Enthusiasten. Sie sichern Fachwissen, erhalten Handwerkskunst und sorgen auf beiden Seiten der Grenze für beachtliche Wertschöpfung. 

Das Kulturgut Auto bleibt fest verankert

Die Gegenüberstellung beider Studien zeigt ein erstaunlich eindeutiges Bild: Ob Deutschland oder Österreich, Oldtimer genießen weiterhin breite gesellschaftliche Akzeptanz und sind ein enormer Wirtschaftsfaktor.
Die Unterschiede liegen hauptsächlich im Detail. Während Österreich die emotionalere Beziehung zu historischen Fahrzeugen pflegt, sorgen in Deutschland die nachrückenden Youngtimer für frischen Nachwuchs in der Szene.
Die wichtigste Erkenntnis aber teilen beide Länder: Das Interesse an historischen Fahrzeugen ist deutlich größer, als viele vermuten. Und die nächste Generation steht offenbar schon bereit. 

Fotos: OCC Assekuradeur | Concours of Elegance | Vienna Classic Days | Sundowner by Emil's Garage | Ennstal Classic | Kuratorium Historische Mobilität Österreich

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