Oldie-Bert: So wird
das Bike winterfest

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Es gibt die hartgesottenen Fahrer, die ihre Maschinen auch im Winter weiterfahren. Aber die meisten Freunde klassischer Motorräder ziehen es vor, ihrem Bike eine Ruhepause zwischen Dezember und März zu gönnen. Doch wie lagert man das Motorrad richtig ein? Sollten die Reifen die ganze Zeit Bodenkontakt haben? Müssen Flüssigkeiten abgelassen werden – oder lieber doch nicht? Der Lübecker Vintage-Motorradexperte Bert Spranger, in der Klassiker-Szene als "Oldie-Bert" bekannt, hat 10 wertvolle Tipps.

1. Richtigen Ruhestandort finden

Bert Spranger: „Wo Sie Ihr Motorrad abstellen, hängt natürlich davon ab, ob Sie eine Garage, einen Schuppen oder einen Keller zur Verfügung haben. Das Bike in den Flur oder in die Küche zu schieben, ist sicher eine schlechte Idee. Wie sollte die Unterbringung aussehen? Ein kühler, trockener und gut belüfteter Raum ist am sinnvollsten. Ein dichtes Dach ist auch von Vorteil, eine feuchte Umgebung ist weder für Mensch noch Maschine gesund. Eine relative Luftfeuchte von 55 % ist in Ordnung, mit einem Luftentfeuchter können Sie das gut regulieren.“

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2. Waschen, trocknen, streicheln

„Vor der Winterruhe sollte das Motorrad glänzen. Nehmen Sie sich Zeit mit der Wäsche. Warum ist Putzen so wichtig? Weil Schmutz Feuchtigkeit speichert wie ein Schwamm und damit die Korrosion fördert. Vor der Einlagerung sollte es nicht mehr nass sein, entweder in der Sonne trocknen lassen oder mit einem weichen Handtuch abwischen. Manche Experten meinen auch, dass man mit einem Fön trocknen kann, das finde ich etwas weltfremd.“

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3. Benzintank checken

„Am Kraftstoff scheiden sich die Geister. Ablassen oder nicht? Ein normaler Stahltank ist von innen nicht lackiert und würde Rost ansetzen, wenn er in Kontakt mit feuchter Luft kommt. Dieser sogenannte Flugrost ist gefährlich, weil er z.B. Kanäle im Vergaser/Einspritzsystem oder auch Bohrungen verstopfen kann. Damit das nicht passiert, kann man den Tank randvoll mit Benzin befüllen. Oder man kann auch einfach im Frühjahr, bevor man den Benzinhahn öffnet, den Spritschlauch abziehen, den Hahn auf Reserve stellen und so etwas Sprit in ein Glas laufen lassen. Wenn Wasser im Tank war, ist es jetzt im Glas. Das Wasser kann man im Glas auch sehen, es sieht aus, als ob sich unten im Glas unter dem Sprit Gelee abgesetzt hat. Wenn der Sprit im Glas sauber ist, kann man ihn wieder in den Tank zurückgießen. Wenn man im Herbst allerdings wirklich vollgetankt hat, wird sich kaum Wasser im Tank absetzen, weil so wenig Luft im Tank ist, dass kaum Wasser aus der Luft im Tank kondensieren wird.“

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4. Motoröl ablassen

„Die Winterpause ist die beste Zeit, um das Öl zu wechseln. Immer warmen Motor nutzen, um das alte Öl abzulassen. Altes Öl kann während der Standzeit Lager, Laufflächen und Kolben angreifen, weil es aggressive Substanzen enthält. Zur neuen Saison im Frühjahr kann man dann direkt mit frischem Öl starten. Kühlflüssigkeit überprüfen und gegebenenfalls nachfüllen. Bei Motoren mit Wasserkühlung auf Frostschutz achten.“

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5. Alles wie geschmiert

„Die Kette nur mit einer Bürste vom Schmutz befreien. Ein Reiniger holt auch das Fett von der Kette, das ist aber nicht erwünscht. Auch die anderen Schmierstellen am Motorrad (Hebel, Gelenke etc.) bekommen - wie im Wartungsplan angegeben – ihr „Fett“ weg. Zum Einsatz kommen hier sauberes Motorenöl, Fett oder Ballistol.“

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6. Felgen schützen

„Glänzende Teile mögen den Winter nicht. Mit einem Konservierungsmittel (z.B. Dr. Wack S100 Korrosions-Schutz 300 ml, ca. 14 Euro) sprühen Sie korrosionsgefährdete Bauteile wie Speichen, Felgen und den Auspuff ein und verteilen das Mittel mit einem Lappen. Blanke Metallteile am besten mit einem ölgetränkten Lappen (z.B. dünnflüssiges Petroleum) einreiben.“

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7. Reifen nicht lange auf einer Stelle belasten

„Vor dem Winterschlaf sollten Sie den Reifendruck um 0,5 bar erhöhen und für Ihr Bike einen Unterbau finden. Hat es nur ein en Seitenständer, können Sie Getränkekisten unterstellen, damit die Räder frei schweben. Das Motorrad wie eine Mumie über Monate bewegungslos stehen zu lassen, ist ebenfalls keine gute Idee. Viel besser: Das Bike ab und zu schieben, damit alle Bereiche der Reifen Bodenkontakt haben.“

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8. Batterie warten

„Um die Batterie gesund zu halten, empfiehlt es sich, sie in einem frostfreien Raum an ein sogenanntes Automatikladegerät anzuschließen. Das sorgt für eine regelmäßige geringe Ladung und Entladung. Vorher bitte gründlich die Pole säubern. Wer noch keine wartungsfreie Batterie besitzt, muss zusätzlich den Säurestand prüfen und eventuell destilliertes Wasser (bis zur obersten Füllhöhe) nachfüllen.“

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9. Kein Platz für Nager

„Luftfilter oder Schalldämpfer sind im Winter beliebte Wohnungen für diverse Nager. Offene Ansaugtrichter und Auspuff mit Kunststofffolie und Kabelbinder verschließen. Achten Sie auch auf Wespen im Winterschlaf. Sinnvoll sind spezielle Indoor-Abdeckhauben, die luftdurchlässig sind, vor Staub schützen, aber auch tierische Mitbewohner vom Bike fernhalten.“

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10. Zeit für Wartungsarbeiten

„Wenn Sie ein Hobby-Schrauber sind, können Sie Winterzeit prima nutzen, um anstehende Wartungsarbeiten in Ruhe auszuführen. Ob Telegabelöl-Wechsel, Erneuerung des Kettensatzes, Tausch der Bremsleitungen, Radlager-Tausch, Auswechseln des Lenkkopflagers, Lackierarbeiten usw. – am eigenen Bike basteln und schrauben, macht Spaß. Vorausgesetzt, Erfahrung ist vorhanden. Ansonsten doch lieber einen erfahrenen Schrauberkumpel zu Rate ziehen oder das Bike in die Fachwerkstatt geben.“

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Berts Fazit

Berts Fazit: „Es ist auch keine Katastrophe, wenn man das nicht alles beachtet. Meine Tipps sind nur grobe Orientierung. Jeder soll selbst seine Entscheidungen treffen. Schließlich geht es um das beste Stück, das alte Motorrad.“ (dr)

Bert

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