OCC-Produktoffensive: Wertgarantie, Selbstbewertung bis 100.000 €, Versicherung von Elektro-PKW, Sicherheitskleidung für Krad-Fahrer und vieles mehr! Versichern Sie jetzt Ihren Klassiker beim Marktführer und Testsieger.

Die Reisen des Herrn Buchta:
Wenn ein Österreicher den
deutschen Auto-Adel besucht

Beitrag teilen

"Man muss reisen, um zu lernen", sagte einst Mark Twain.
Dem wollten wir nicht widersprechen und sind nach Stuttgart gefahren. Ulli und Wolfgang Buchta* waren bei „Mythos SL“ in Stuttgart, und weil wir schon einmal dort waren, haben wir uns erinnert, dass es dort (und am Weg) noch einiges zu sehen gibt …

Es begann mit zwei Mails

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt oder, wie man im 21. Jahrhundert sagen könnte, mit dem ersten Mail. Manchmal auch mit zwei Mails… Irgendwann im Mai fragte Mercedes an, ob Herr Buchta vielleicht nach Sindelfingen reisen möchte, um sich die Historie der SL-Modelle von Mercedes näher anzusehen. Ein schwierige Frage, die wohlüberlegt werden will, daher dauerte es auch gut und gerne fünf Minuten bis zu „Bitte! Danke! Gerne!“ – und dann begannen die Mühen der Ebene resp. die Mühen von Corona, das die Flüge ordentlich ausgedünnt hat. Der „Morgenflug“ startet um 10:00 Uhr (in Wien) – zeitgleich mit dem Beginn von „Mythos SL“ (in Stuttgart). Das ist wohl keine Option...
Bahn ist theoretisch möglich – in der schätzungsweise fünffachen Zeit zum schätzungsweise dreifachen Preis –, also bleibt nur ein Fußmarsch oder das gute, alte Automobil. Mr. Smart (das passendste Fahrzeug um bei der „noblen Verwandtschaft“ vorzufahren), you are needed! Und im Zweisitzer ist sogar Platz für Frau Buchta … Aber erstens kommt es anders, …wusste schon Wilhelm Busch, und rund zwei Wochen vor der Abreise, kommt das bereits angedeutete zweite Mail. Nein, keine Ausladung, sondern ein Mail von BMW. „Anfrage Testeinsatz … BMW 530e xDrive Touring …“ – wieder eine schwierige Frage, wieder eine reifliche Überlegung, … Verdammt, die angebotene Periode fällt ja genau mit unserer geplanten Reise nach Stuttgart zusammen… Also entweder dankend ablehnen oder schüchtern anfragen: „Äh, dürfen wir mit dem Wagen eigentlich auch ins Ausland fahren? Auch nach Stuttgart? Ja, ganz genau – zur Konkurrenz mit dem Stern…“. Fassen wir uns kurz und sagen wir ganz artig „Vielen Dank!“ und lassen wir den Herr Smart in der Garage stehen … Wir durften!

Die 686 km von Kierling zum V8 Hotel in Böblingen waren mit dem noblen Kombi, pardon Touring, natürlich maximal halb so lang, wie mit dem rund halb so langen Smart, und so kamen wir zügig und durchaus entspannt ans Ziel.
V8 Hotel sagt Euch nichts? Dieses liegt passenderweise an der „Motorworld Region Stuttgart“ am Gelände des ehemaligen Flugplatzes und ist fast schon eine eigene Reise wert. Das Hotel ist mit automobilen Artefakten überreich ausgestattet, was sich bis zur Dekoration der Zimmer durchzieht, und in unmittelbarer Nachbarschaft finden sich „Flagship Stores“ von Porsche, McLaren, Lamborghini, … exklusive Altblech-Händler, einschlägig ausgestattete Restaurants…


Mythos SL

Wie praktisch: Böblingen ist nur durch die A81 von Sindelfingen getrennt, wo – wäre nicht die Autobahn dazwischen – in Gehentfernung das „Mercedes-Benz Center of Excellence“ liegt. Wo normalerweise Maybach, AMG oder EQ-Modelle an ihre glücklichen neuen Besitzer übergeben werden, standen die mehr oder weniger komplette Ahnenreihe des Mercedes SL – vom 300 SL Roadster (W198 II) bis zum Mercedes SL 55 AMG (R230) aus dem Jahre 2005, also sozusagen der jüngste „historische“ SL bereit.

Und das Beste: Da auch die Kronjuwelen von Mercedes-Fahrzeuge und keine Stehfahrzeuge sind, standen die Preziosen nicht nur herum, sondern auch für Rundfahrten bereit – perfekt vorbereitet mit vorprogrammierten Routen im Navi. Wer meint, dass jetzt nach so vielen Kilometern eine kleine Pause und Erholung angesagt wäre – bitte sehr!

Das „Mercedes-Benz Center of Excellence“ dient auch als kleine Außenstelle des Mercedes-Museums. Zum Zeitpunkt des Besuches waren neben Auslieferungsfahrzeugen wie Mercedes-Maybach S-Klasse oder Mercedes-AMG GT hier rare Exponate wie der älteste 300 SL (Chassisnummer 2) und andere Raritäten zur Schau gestellt.

Kühle Getränke – wie heißt auf Schwäbisch ein „großes Obi g’spritzt“? – „Bitte eine Apfelschorle im größten Glas, das Sie haben! – und ein kleiner Imbiss rundeten den perfekten Automobil-Tag ab.

Stuttgart hat noch mehr zu bieten: Porsche und…

Porsche „wohnt“ in Stuttgart-Zuffenhausen und dominiert mit Werk und Museum diesen Stadtteil. Das großartige Museum am Porscheplatz 1 ist ein Entwurf des Wiener Architekturbüros „Delugan Meissl Associated Architects“, und wurde am 31. Januar 2009 eröffnet. Seit 1. Juni 2021 hat es nach der Corona-Pause wieder geöffnet.

Das Gebäude hat eine Nutzfläche von 21.000m2, beheimatet, neben dem Museum (5.600 m2) das Unternehmensarchiv, die Museumswerkstatt (beide nicht öffentlich zugänglich, aber durch die Glaswände sichtbar) sowie drei Restaurants und ein Museumshop. Die Eventebene auf der 4. Etage ist begehbar und teilweise mit Autos befahrbar und wird gerne für Fahrzeugpräsentationen genutzt. Die Präsentation der rund 80 Fahrzeuge beginnt mit dem vieldiskutierten Egger-Lohner C2 Phaeton von 1898 und anderen Porsche-Konstruktionen vor der Marke Porsche und setzt sich bis zum Porsche 356 „Nr. 1“ Roadster fort. Und danach geht’s erst so richtig los! Sucht Euch einen Porsche – Renn- oder Sportwagen – aus – vermutlich steht er im Museum – Porsche 911, Porsche 914, Porsche 928, Boxster, Taycan, … Porsche 904, 906, 917, 935, 956, … alles da, was das Herz begehrt.

Die Ausstellung ist hell und locker gestellt, d.h. alle Photographen kommen auf ihre Kosten. Inmitten der Ausstellung steht ein Porsche 718 Boxter Spyder, in dem die Besucher zum Probesitzen eingeladen sind.

… und Mercedes

Natürlich zeigt auch Mercedes mit einem feinen Museum Präsenz in der Heimatstadt. Vom Porscheplatz 1, Zuffenhausen sind es nur 12 km zur Mercedesstraße 100, Bad Cannstatt.

Das (neue) Mercedes-Benz Museum wurde am 19. Mai 2006 eröffnet und seither von rund 10 Mio. Besuchern aus 190 Nationen besichtigt. Das Museum ist das mit Abstand meist besuchte in Stuttgart. Das Porsche Museum liegt übrigens auf Platz 2.

Die Ausstellung – vom Stuttgarter Büro HG Merz konzipiert, die übrigens auch für die Ausstellung im Porschemuseum verantwortlich zeichnen – beginnt im obersten Stock mit dem Mythos 1 „Pioniere – Die Erfindung des Automobils, 1886 bis 1900“ und führt in einer Spirale bis ins Erdgeschoß zum Mythos 7 „Silberpfeile – Rennen und Rekorde“. Ergänzt wird die Ausstellung durch die fünf sogenannten „Collectionsräume“ die thematische „Reisen“, „Lasten“, „Helfer“, … zusammen gruppieren.

Man trifft im Museum „die üblichen Verdächtigen“ – vom Benz Patent-Motorwagen von 1886 bis zum Mercedes C111.

Aber auch weitgehend unbekannte Fahrzeuge, wie das „Gespann“ aus Mercedes 220 S und dem Mercedes 300 Messwagen, die über ein Kabelbündel verbunden über die Testbahn brausten oder den Mercedes Vision EQ Silver Arrow, der im August 2018 in Pebble Beach präsentiert wurde.

Restaurants und ein phantastisches Museumsshop ergänzen das Besuchserlebnis.

Last Stop München

Wenn wir schon mit einem BMW „zu den Schwaben“ reisen, gebietet schon die Höflichkeit, unserem Reisemobil auf seine Heimat und die Wurzeln seiner Familie zu zeigen. Neben dem „Augustiner Schützengarten“ – augustiner-schuetzengarten.de – , der zur Labung einlädt, lockt das BMW Museum für die Erbauung und Bildung.

Auch das BMW-Museum hat einen Österreich-Bezug, denn sowohl der „Vierzylinder“, das Hauptverwaltungsgebäude und Wahrzeichen von BMW als auch der „Weißwurstkessel“, der markante, runde Gebäudeteil des Museums wurden vom Wiener Architektur-Professor Karl Schwanzer geplant.

War ursprünglich der (denkmalgeschützte) „Weißwurstkessel“ das BMW Museum, so wurde in den Jahren 2004–2008 der Bau grundsätzlich saniert und um die umliegenden Bauten erweitert – von 1.000 auf 5.000 m2. Heute ist Platz für rund 120 Exponate, die in sieben „Ausstellungshäuser“ und 25 Ausstellungsbereiche – Motorräder, Motore, BMW M3, Leichtbau, Aerodynamik, … gegliedert sind.

Beginnend mit der legendären R32, dem ersten Motorrad von BMW, das ab 1932 gebaut wurde, erzählt das Museum die Geschichte der Marke auf zwei, drei und auf vier Rädern sowie in der Luft.

Adressen

V8 Hotel Motorworld Region Stuttgart
Charles Lindbergh Platz 1
71034 Böblingen
www.v8hotel.de

Porsche Museum
Porscheplatz 1
70435 ZUffenhausen
www.porsche.com/germany/aboutporsche/porschemuseum

Mercedes-Benz Museum
Mercedesstraße 100
70372 Stuttgart
www.mercedes-benz.com/de/classic/museum/

BMW Museum
Am Olympiapark 2
80809 München
www.bmw-welt.com/de/locations/museum.html

*Dipl.-Ing. Wolfgang M. Buchta ist Herausgeber des Oldtimer-Magazins AUSTRO CLASSIC

Text: Wolfgang G. Buchta
Fotos: Wolfgang G. Buchta | Daimler AG
Dieser Text erschien zuerst in AUSTRO CLASSIC (Heft 2021/04). Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Traumziele mit Oldtimer:
Die schönsten Touren in
Deutschland, Österreich
und der Schweiz

1. Juli 2021

Beim Oldtimerfahren steht das entspannte Cruisen durch beeindruckende Landschaften im Vordergrund. Genuss statt Stress. Wir zeigen Ihnen Traumrouten für Oldtimerliebhaber in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Tour von Lindau am Bodensee, entlang der Deutschen Alpenstraße bis zum malerischen Königsee. Oder einer Grand Tour of Switzerland, die fünf imposante Pässe mit 45 Highlights des kleinen Schweizer Nachbarlandes verbindet?

Mehr erfahren

Darum landet Falco-Käfer
in deutschem Museum

16. Juni 2021

Spektakuläre Online-Transaktion in Österreich: Dort wechselte jetzt ein VW Käfer 1303 LS Cabrio (Baujahr 1977) den Besitzer – für stolze 55.000 Euro. Der Oldtimer hat eine prominente Vorgeschichte, spielte im berühmten Musik-Video „Coming Home – Jeanny Part 2“ von Weltstar Falco (1957 – 1998, „Rock me Amadeus“) mit.

Mehr erfahren