Mit dem Fiat 500 Giardiniera
zur OCC-Küstentrophy

Beitrag teilen

Nicht ohne Stolz schaut Fabian Lenz aus dem Fenster seines fast 60 Jahre alten Fiat 500 Giardiniera. Tochter Hannah freut sich auf dem Beifahrersitz. Der kleine gelbe Flitzer aus Italien erlebt jetzt auf der OCC-Küstentrophy seinen zweiten Frühling, wird bei der beliebten Rallye an den Start gehen. Noch vor ein paar Monaten stand der Klassiker - bis in seine Einzelteile zerlegt - in der Werkstatt. Zweieinhalb Jahre dauerte das Restaurierungsprojekt Fiat. Fabian Lenz erzählt, wie er zu seinem Klassiker kam. Lesen Sie außerdem, warum Oldtimerfreund Walther Sälzer aus Marburg in letzter Minute die Teilnahme an der Küstentrophy mit seinem frisch restaurierten Alfa Romeo Montreal zurückzieht - und statt dessen mit einem Lancia Lancia Flaminia Touring GT an den Start geht.

Hochzeitsauto und Umzugshelfer

Fabian Lenz (Jahrgang 1971, Geschäftsinhaber aus Lübeck) ist acht Jahre jünger als der Fiat 500 Giardiniera (dt. Gärtner, Baujahr 1963). Er erzählt: "Gekauft habe ich das Auto Anfang 2000 in der Nähe von Bonn. Zu der Zeit war ich Student und hatte etwas Geld gespart, um mir, wie es viele meiner Freunde hatten, einen Golf zu kaufen. Da ich selber nichts von Autos verstehe, habe ich einen Freund gefragt, ob er mir helfen könne. Dieser fragte mich, warum es denn so ein langweiliger Golf (er hatte selber einen) werden sollte. Er würde einen Fiat 500 bei Bernd in Rhöndorf restaurieren, das wäre ein viel cooleres Auto. Ich entgegnete, damit könne ich ja nichtmal eine Kiste Bier transportieren. Seine Antwort war: ,Dann nimm halt einen Giardiniera.' Mir sagte das nichts, doch als ich so ein Auto gesehen hatte, war ich spontan verliebt."

Für 1.500 D-Mark gab es den Italiener in "tollem unverbauten Zustand"
. Am 6. Juni 2001 erfolgte die Zulassung. "Fünf Jahre fuhr ich das Auto bei Wind und Wetter von Bonn nach Dresden, von Hamburg nach München, quer durch Deutschland. Er hat mir bei Umzügen geholfen und das Übernachten mit offenem Dach unter dem Sternenhimmel war für mich das Größte. Im Oktober 2006 war dann sein letzter großer Auftritt! Er diente mir und meiner Frau als Hochzeitsauto. Der rechte Vordersitz wurde ausgebaut, dadurch gab es auf der Rückbank genügend Platz für uns und das wallende Brautkleid", erinnert sich Fabian Lenz.

Danach stand der Italiener Juni 2007 bei seinen Schwiegereltern auf der Auffahrt. Im August 2018 dann der Umzug nach Lübeck. 2020 begannen die aufwändigen Restaurierungsarbeiten bei einem Spezialisten in Wulfsdorf. Fabian Lenz: "Das Auto wurde in den letzten zweieinhalb Jahren komplett auseinander genommen und neu aufgebaut. Zu den Arbeiten gehörten u.a. das Einschweißen neuer Fußbodenbleche, außerdem erhielten die Sitze neue Bezüge. Motor und Getrieb wurden komplett überholt. Insgesamt sind gute 400 Stunden in die Restaurierung geflossen. Jetzt ist er in Zustand 2 und bereit für die OCC-Küstentrophy."

Technische Daten Fiat 500 Giardiniera

Motor:
Hubraum: 499,5 ccm
Leistung: 17,5 DIN-PS bei 4400/min
Drehmoment: 3,6 mkg bei 3200/min
Vergaser Weber 26 OC
Maße:

Länge x Breite x Höhe: 3,18 m x 1,32 m x 1,35 m
Radstand: 1,94 m
Gewicht:

Leergewicht: 555 kg
Verbrauch:

Verbrauch: 5,2 l / 100 km
Bauzeit:

Bauzeit: 1960 – 1976

Lancia 1

Alfa oder Lancia - Hauptsache Italien

Auch Oldtimer-Freund Walther Sälzer aus Marburg wollte mit einem frisch restaurierten Klassiker an der OCC-Küstentrophy teilnehmen. Sein Projekt: ein Alfa Romeo Montreal, Baujahr 1972, 200 PS stark.
Walther Sälzer: "Der Montreal wurde nach Angaben von Alfa Romeo centro storico am 31.12.1972 produziert.
Das Produktionsdatum teilt er sich mit vielen weiteren Montreals, die damals ohne Motor, Fahrwerk etc. auf Halde gebaut wurden. Am 17.04.1973 wurde er nachweislich an die Alfa Niederlassung Frankfurt ausgeliefert und diente dort zunächst als Ausstellungsfahrzeug. Die Erstzulassung erfolgte dann am 12.06.1974 auf einen Frankfurter Rechtsanwalt, der ihn bis zu seinem Tod behielt. 1995 wurde der Montreal offiziell stillgelegt und wanderte dann in eine Sammlung. Er wurde wohl in dieser Zeit, wie sich jetzt herausstellte, nicht sehr fachgerecht restauriert und auch neu lackiert. Die Lackierung erfolgte allerdings nicht in dem Montreal rot sondern in dem „normalen“ Alfa rot. 2015 wurde er aus der Sammlung, in der er nie zugelassen war, nach Bad Kissingen verkauft und auch wieder auf die Straße gebracht. Ich erwarb das Fahrzeug dann Ende 2018. Mir war von Anfang an bewusst, dass es noch viel zu tun gibt."

Karosseriebau und Lackierung waren für den Winter 2020/2021 geplant, doch nach den ersten Schleifarbeiten kam die alte Lackierung zum Vorschein und es fanden sich immer mehr versteckte Roststellen und Spachtelstellen.
Nach Rücksprache mit einem Freund, der als Oldtimersachverständiger bei der Dekra arbeitet, entschied sich Walther Sälzer für das Entlacken und KTL-Beschichten bei Carblast in Stuttgart. Dort kam heraus, dass der Wagen sogar einen Unfallschaden im Frontbereich hatte.
Besonders schwierig gestaltete sich die Suche nach Orginalersatzteilen- und vor allem Blechen: "Das Frontblech fanden wir in Singapur und auch das Heckblech konnte noch aufgetrieben werden. Viele Bleche aber mussten in mühevoller Kleinarbeit selbst angefertigt werden", erinnert sich der Oldtimerenthusiast.
Auch den Montreal-Motor und das Getriebe ließ Sälzer komplett zerlegen und überholen.

Jetzt strahlt der Alfa in sattem Rosso cina (521) - und sieht aus, als sei er frisch vom Band in Mailand gelaufen.

Trotzdem nimmt der wunderschöne Oldie nicht an der Küstentrophy 2022 teil. Warum?

"Es sind noch zuviele Kleinigkeiten, die noch fehlen, um die Restauration komplett zu machen. Der Motor hat zwar seine ersten Umdrehungen hinter sich, aber trotzdem möchte ich ihn langsam einfahren. Eine Teilnahme an der Küstentrophy wäre mir noch zu riskant", sagt Walther Sälzer.
Deswegen geht er jetzt mit seinem Lancia Flaminia Touring GT Bj. 1960 an den Start.

Alfa oder Lancia - Hauptsache Italien. (dr)

Technische Daten Alfa Romeo Montreal

Motor:
Achtzylinder-V-Motor
Hubraum: 2593 ccm
Leistung: 147 kW (200 PS) bei 6500/min
Drehmoment: 235 Nm bei 4750/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 225 km/h
Beschleunigung: 0-100 km/h in 7,6 Sekunden
Maße:

Länge x Breite x Höhe: 4,22 m x 1,67 m x 1,20 m
Radstand: 2,35 m
Gewicht:

Leergewicht: 1270 kg
Verbrauch:

Verbrauch: 16,8 l / 100 km
Bauzeit:

Bauzeit: 1970 – 1977

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

So erlebte ich* die
OCC-Küstentrophy

29. Oktober 2020

Sie gehört zu den schönsten deutschen Oldtimer-Rallyes – die OCC-Küstentrophy. Die romantischen Strecken entlang der Ostsee, die Stopps in kleinen norddeutschen Städten und die familiäre, unaufgeregte Atmosphäre begeistern die teilnehmenden Teams jedes Mal aufs Neue. Doch die 11. Ausgabe der Küstentrophy war für uns eine besondere Herausforderung...

Mehr erfahren

Rammstein-Drummer Christoph Schneider: "Oldtimer sammeln ist wie eine Sucht"

31. März 2022

Rammstein-Drummer Christoph Schneider im Exklusiv-Interview über seine Kindheit in Berlin-Pankow, verrückte Amerika-Abenteuer und warum seine Frau sein Hobby (eigentlich) nicht liebt.

Mehr erfahren