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Ein Dirigent auf Abwegen - Porsche 959

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Dieser Porsche sah irgendwie anders aus. Vorn irgendwie 911er, aber hinten? Dieses ultrabreite Heck mit Spoiler? Der erste Auftritt des Porsche 959 sorgte für Aufsehen. Sowohl optisch, als auch auf dem Datenblatt. Denn ein Blick auf die nackten Zahlen (450 PS, ca. 317 km/h Topspeed) machte unmissverständlich klar: Das war ein echter Supersportwagen!

Schnellstes Straßenfahrzeug der Welt

Er galt bei Auslieferung 1986 als schnellstes Serienfahrzeug der Welt mit Straßenzulassung (Beschleunigung von 0 auf 200 km/h in 13,3 Sekunden).
Das machte ihn begehrt und zu einem Spekulationsobjekt. 292 betuchte Kunden aus aller Welt überwiesen 420.000 D-Mark nach Zuffenhausen.
Zu den prominentesten Besitzern der 1. Stunde gehörten u.a. Tennis-Profi Martina Navratilova und Star-Dirigent Herbert von Karajan (1908-1989).

Star-Dirigent Karajan mit Bruchlandung


Der berühmte Klassik-Star der Zeit sorgte auch gleich mit einer Bruchlandung für Misstöne. Von Karajan steuerte seinen Porsche 959 nämlich mit zu hohem Tempo in einen Straßengraben. Totalschaden. Zum Glück blieb er unverletzt. Von Karajan bekam einen zweiten 959.
Was machte diesen Porsche so anziehend?
Vor allem die Technologie, die für die damalige Zeit bahnbrechend war. Elektronisch gesteuerter Allradantrieb, Bi-Turboaufladung, Reifendruckkontrollsystem – all das fand später ebenfalls Einzug in den Sportwagenaufbau.

Registerturbo sorgte für Dampf

Der 959 war das erste Serienfahrzeug mit sogenannter Registerturboaufladung. Dabei wird ein kleinerer Turbolader für niedrige Drehzahlen verwendet, ab einer bestimmten höheren Drehzahl übernimmt dann ein größerer Turbo die Verdichtung der Luft und sorgt für ordentlich Druck. Ergebnis: Vermeidung des berühmten „Turbolochs“.
Trotz aller Superlative und Innovationen blieb der 959 für Porsche zunächst ein Minus-Geschäft. Die Entwicklungskosten lagen nämlich bei über 1 Million DM-Mark – pro Auto. Das veranlasste den damaligen Porsche-Entwicklungsvorstand Helmuth Bott zu folgendem Kommentar: „Das teuerste Werbegeschenk der Porschegeschichte.“

Bill Gates durfte ihn nicht fahren

Auch auf dem amerikanischen Markt konnte der 959 nicht schnell durchstarten. Weil der deutsche Autobauer keine vier der wertvollen 959 für die üblichen US-Crashtests zur Verfügung stellen wollte, verweigerten die Behörden die Zulassung. Zu den Kunden, die zunächst in die Röhre schauten, gehörten u.a. die Microsoft-Gründer Bill Gates und Paul Allen. Gates kämpfte für das neue „Show and Display“-Gesetz, das 1998 in Kraft trat. Es erlaubte Ausnahmen von den Crashtests, wenn Autos als Kulturgüter klassifiziert wurden. Weitere Bedingung von den Behörden: Von den betroffenen Modellen wurden jeweils weniger als 500 Stück produziert. Das traf auf den 959 zu.

Übrigens: 29 Exemplare des Sportwagens verließen das Werk als 959 S. Größere Turbolader mit modifiziertem Überdruckventil verhalfen dem Renner zu einer Leistung von 515 PS (379 kW) und der beeindruckenden Höchstgeschwindigkeit von 339 km/h.

Zustand 2 kostet mindestens 780.000 Euro

Kein Wunder, dass die wenigen auf dem Markt oder auf Auktionen angebotenen 959 an der Millionengrenze kratzen oder sie deutlich überschreiten. Exemplare in gutem Zustand kosten mindestens 780.000 Euro (Quelle: Oldtimer-Markt, Preise 2019).

Technische Daten (Tabelle)

Länge: 4,26 m

Breite: 1,84 m

Höhe: 1,28 m

Radstand: 2,72 m

Motor: Sechszylinder-Boxermotor mit Trockensumpfschmierung, Registeraufladung mit zwei wassergekühlten KKK-Turboladern samt Ladeluftkühlern, Hubraum 2849 ccm, Leistung 450 PS bei 6500 U/min, Drehmoment 500 Nm

Beschleunigung: 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h (Messung „auto, motor und sport“, 1987)

Höchstgeschwindigkeit: 317 km/h

Bauzeit: 1986-1988



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Schnittmodell des 959, zum ersten Mal gezeigt auf der IAA 1985. Hier steht es auf der Techno Classica 2015. Foto: Bruno von Rotz | zwischengas.com

Dieser rote Porsche 959 hatte einen prominenten Vorbesitzer: Stardirigent Herbert von Karajan. Foto: Bruno von Rotz | zwischengas.com