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46.000 Oldtimerfans bei Bremen Classic Motorshow 2026: Der Norden feiert Saisonstart mit Besucheransturm

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Von DORIAN RÄTZKE 
Die Hansestadt Bremen ist und bleibt das verlässliche Stimmungsbarometer für die Befindlichkeit der deutschen Klassiker-Szene. 46.277 Besucher (Vorjahr: 46.713) pilgerten zur Bremen Classic Motorshow in die acht Hallen des Messegeländes (insgesamt 50.000 qm Ausstellungsfläche). Von Mr. Beans Albtraum bis zum sündhaft teuren Kinderspielzeug aus dem Industriellen-Haushalt der Familie Krupp – die Messe zum Saisonauftakt geizte nicht mit imposanten Sammlerstücken. Hier unsere Highlights. 

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Die Liebe zu historischen Automobilen erweist sich als erstaunlich krisenfest: Besucheransturm auf die Bremen Classic Motorshow 2026

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700 Aussteller, Händler zufrieden

Die Hallen der Messe Bremen waren bereits kurz nach der Eröffnung am Freitagmittag prall gefüllt. Über 700 Aussteller (darunter 100 Markenclubs) unterstrich die Rolle der Messe als wichtigster Branchentreffpunkt zum Jahresbeginn. Auf sechs Parkdecks boten private Verkäufer bei Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts über 250 Old- und Youngtimer an, manche Fahrzeuge wechselten binnen Minuten den Besitzer. Das Fazit der Händler vor Ort: Die Kauflaune ist zurück. 

Technik-Exzesse: Allrad-Giganten und geheime Prototypen

Ein absoluter Höhepunkt war die diesjährige Sonderschau, die sich der Geschichte des Allradantriebs widmete. Hier trafen Legenden auf Technik-Einzelstücke:
•    Porsche 959 S: Das weiße Unikat aus dem Nationalen Automuseum (The Loh Collection) leistete 515 PS und gehörte einst keinem Geringeren als Walter Röhrl.
•    VW Golf A59: Ein „Über-Golf“ mit 275 PS und computergesteuertem Allrad, der eigentlich die Rallye-WM 1995 gewinnen sollte, bevor Ferdinand Piëch das Projekt aus Kostengründen stoppte.
•    Lamborghini Diablo „VT 16.4“: Ein wahrer „Frankenstein-Lambo“, der als heimlicher Versuchsträger für den W16-Motor des späteren Bugatti Veyron diente – 1001 PS, verpackt in einer aufgeschnittenen Diablo-Karosserie.

Industriegeschichte im Kleinformat: Der Krupp-Porsche

Am Auktionsstand "Absolute Petromania" (Wormser Classic Auctions) sorgte ein Exponat für staunende Blicke, das kaum größer als ein Wohnzimmertisch war. Das Porsche 356 Tretauto (Los 107) ist ein technisches Meisterwerk von ca. 1960. Mit elektrischem Antrieb und Beleuchtung ausgestattet, stammte dieses Einzelstück laut Provenienz aus der berühmten Villa Hügel der Industriellen-Familie Krupp. Gefertigt für die Kinder des Stahl-Barons Alfried Krupp, startete das museale Objekt mit einem Gebot von 4.000 Euro in die Auktion (den Zuschlag erhielt schließlich ein Bieter für 8.000 Euro). Offenbar ein Ferrari-Fan ließ sich ein originales Emailschild einer Ferrari-Niederlassung aus den 1960er Jahren gleich 19.000 Euro kosten.

Citroën-Kamerawagen und Mr. Beans Albtraum

Abseits der High-End-Exponate bot Bremen die gewohnt charmante Mischung aus Kuriositäten und automobiler Basisarbeit: Citroën-Fans kamen in Bremen voll auf ihre Kosten, unter anderem mit dem legendären Kamerawagen für Radrennen und dem majestätischen Maserati-Citroën SM. Mr. Beans „Albtraum“: Im Parkhaus, dem heimlichen Herz der Messe für Privatverkäufe, stand ein blauer Reliant Robin Mark I aus England. Das dreirädrige Gefährt, das in der Serie „Mr. Bean“ regelmäßig zum Umkippen gebracht wurde, lockte zahlreiche Selfie-Jäger an.

Ein Goliath GP 700 für die Jugend

Der Goliath-Scheunenfund: Am Stand des DEUVET präsentierte sich ein rostiger Goliath GP 700 als technischer Pionier – es war (neben dem Gutbrod Superior) das erste Fahrzeug der Welt mit Benzineinspritzung. Besitzer und Goliath Experte Carsten Pätzold will das Fahrzeug nicht komplett restaurieren. Er hat eine andere Idee: „Bei diesem Fahrzeug würde man mit einer Vollrestaurierung Geschichte zerstören. Der Goliath soll als Scheunenfund genau so bleiben, wie er ist; die Aufgabe ist es vielmehr, mit Jugendlichen die Technik wieder instand zu setzen. Er bleibt ein reines Ausstellungsstück und Kunstobjekt.“ Pätzoldt betont, wie wichtig Nachwuchsförderung für die Szene ist: „Wir müssen unser Fachwissen weitergeben an junge Leute. Es nützt auch nichts, wenn wir das irgendwo aufschreiben; wir müssen die Jugendarbeit aktiv angehen und direkt mit Jugendlichen an alten Fahrzeugen und alter Technik arbeiten.“
 

Fachgespräche bei OCC und spannende Vorträge

OCC, wie immer mit einem großen Stand vor Ort, lud das Fachpublikum zu einem besonderen Side-Event. Thema: “Von der Begutachtung bis zur Schadenanalyse –wie Experten historische Fahrzeuge auf Echtheit prüfen, Originalität bewahren, Schäden fundiert bewerten und Manipulationen zuverlässig erkennen.“ Gutachter-Profi Norbert Schroeder (TÜV Sued) und der berühmte Unfallforscher Prof. Dr. Jochen Buck (Leiter des Instituts für forensisches Sachverständigenwesen IfoSA, Geislingen) begeisterten die 40 Teilnehmer mit praxisnahen Beispielen und plauderten aus dem Nähkästchen. 

Bremen macht Lust auf neue Saison

Professionell kuratierte Rückblicke wie vom PS.SPEICHER aus Einbeck oder der Autostadt Wolfsburg (die unter dem Motto „Meilensteine des Aufbruchs“ firmierte) zeigen: Nostalgie ist im Jahr 2026 eine ernstzunehmende Kulturdisziplin geworden. Auch Volkswagen Classic feierte mit seinen GTI-Modellen die ungebrochene Begeisterung für bezahlbare Klassiker. Das Fazit von Messe Bremen-Projektleiter Frank Ruge: "Die Nachfrage ist weiterhin ungebrochen. Wir waren bereits vor Weihnachten ausgebucht – ein starkes Signal, das uns sehr optimistisch stimmt. Wir wollen sowohl die erfahrene Generation abholen als auch junge Menschen für automobile Kultur begeistern. Deshalb setzen wir gezielt neue Impulse – etwa mit den Modern Classics oder der Nachwuchsfläche – und stärken zugleich unsere kommunikative Präsenz über soziale Medien, Bewegtbildformate und Interaktion."
Wer in Bremen war, hat Lust auf die neue Oldtimer-Saison bekommen. Das kollektive Warmlaufen für die kommenden Monate unterstreicht, dass sich die Liebe zu historischem Blech als bemerkenswert krisenfest erweist... 
Fotos: Dorian Rätzke | M3B Gmbh, Sven Wedemeyer 

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