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Tracker, Lenkradkralle, Wegfahrsperre – Was schreckt Oldtimer-Diebe wirklich ab?

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Warum ein Oldtimer rasant an Wert zulegt, erstaunt selbst Fachleute. Eigentlich ist es doch „nur“ ein Gebrauchsgegenstand, ein Auto eben. Die Renditen für manche Modelle haben inzwischen sämtliche Anlageformen geschlagen. Bei Zuwächsen von 100 % oder mehr kommt kein Fond, keine Aktie, keine Anleihe hinterher.

Den Wertzuwachs alle zwei Jahre mit einem Gutachten zu dokumentieren, reicht bei manchen Modell einfach nicht mehr aus, so stark zieht die Nachfrage samt steigenden Preisen an.
Das lockt auch Menschen an, die ebenfalls starkes Interesse an alten Autos haben, aber aus anderen, weniger hehren Gründen: Diebe, Einbrecher und Hehler!

Oldtimer wird ausgeschlachtet, weil seltene Einzelteile viel Geld bringen. Nur die ganz seltenen Modelle sind begehrt und deshalb extrem gefährdet. Falsch! Richtig viel Geld bringen Einzelteile, die Sammler oft in jahrelanger Suche auf Teilemärkten in ganz Europa ergattert hatten oder in Fachwerkstätten in Kleinstauflage nachproduzieren ließen, weil es die Originale nicht mehr gibt.
So haben es Ganoven oft auf die Targadächer der Porsche 911er Baureihe abgesehen. Die Dächer kosten allein in der Nachfertigung bei Porsche Classics 20.000 Euro (verbunden mit einer Wartezeit von bis zu einem halben Jahr). Auch Felgen werden gern mitgenommen (vornehmlich Porsche und Mercedes).

Welcher Schutz hilft?
Wer seinem geliebten Oldie eine trockene Unterkunft in einer städtischen Tiefgarage spendiert, sollte das so unauffällig wie möglich machen. Besitzer, die vor Stolz ihrem Liebling einen sog. Auto-Pyjama mit großem Marken-Logo überziehen, sollten sich nicht wundern, wenn dadurch auch unehrliche Zeitgenossen angelockt werden, die unter der Plane einen Schatz wittern. Hier wäre es besser, eine von außen nicht einsehbare Box mit Rolltor zu mieten.

Was bringen Lenkradkrallen?
OCC-Experte Bernd Uhlenbruck: „Oft nicht viel, Profis wissen, wie sie die Schrauben in ein paar Minuten gelöst haben. Besseren Schutz bietet der Batterietrick. Bei langen Standzeiten sollte die Batterie ohnehin ausgebaut, das beugt einem Auslaufen der Batterieflüssigkeit oder der Tiefenentladung vor. Ohne Elektrik fällt es den Dieben schwerer, den Wagen zu bewegen.“ Oldtimer-Sammlungen in privaten Hallen könnten mit einer Stahlschranke gesichert werden.

Alarmanlagen sind unabdingbar, moderne Systeme sind per Kamera und Wifi mit dem Smartphone der Besitzer verbunden.
Professionelle Meldeanlagen senden schon bei versuchten Einbrüchen ein akustisches Signal und lösen dann einen Notruf aus, der bei Bedarf den engagierten Sicherheitsdienst oder gleich die Polizei vor Ort lotst.
Aber es gibt noch mehr Tricks, potentielle Einbrecher abzuschrecken.

Eine etwas aufwendigere Methode ist es, die Schaltung durch eine Stange zu blockieren. OCC-Experte Bernd Uhlenbruck: „Dabei wird der Schalthebel so versperrt, dass nur noch ein Gang funktioniert, zum Beispiel der erste. Das System wird in die Mittelkonsole eingebaut und dann mit einem Sicherheitsschlüssel verriegelt. Das verhindert zwar keinen Diebstahl zu 100 Prozent, schreckt aber viele Straftäter ab, weil die Vorrichtung schwer zu knacken ist.“

Weniger rustikal ist die Wegfahrsperre, die mittels mechanischem Schalter oder per Elektronik den Stromfluss im Auto unterbricht. Diese Systeme sollten immer verdeckt im Innenraum oder Motorraum installiert werden.
Wer wissen will, wohin Diebe mit dem Oldtimer fahren oder wohin sie ihn bringen, kann auf einen sog. GPS-Tracker zurückgreifen. Der kann sogar der Polizei die Live-Daten der Ortung senden, damit sie die Diebe gleich festsetzt und die wertvolle Fracht sicherstellt.

Wie funktioniert so ein Tracker?
Es ist ein kleiner, schwarzer Kasten, der mit einer simplen Prepaid-Simkarte bestückt wird. Ist die Blackbox scharf gestellt, sendet die Sim-Karte immer per Satellit den genauen Standort des Fahrzeugs, das bei einem Diebstahl entweder weggefahren oder abtransportiert wird. Der GPS-Tracker wird mit der Autobatterie verbunden. Ist die im Winter abgeklemmt, haben hochwertige Tracker auch Ersatzakkus (Backup-Akkus), die auch ohne Fahrzeugbatterie monatelang in Alarmposition sind, bzw. aus dem Sleepmodus schnell erwachen und dann die Standort-Signale an den rechtmäßigen Besitzer schicken.
Im Ernstfall können diese Tracker, die mit dem Smartphone oder Tablet der Eigentümer verbunden sind, auch einen Freigabelink erzeugen. Dadurch erhält die Polizei in Echtzeit eine Live-Übertragung des Standortes vom gestohlenen Fahrzeug.

Gute Tracker gibt es ab 200 Euro.

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