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Das Phantom aus Alu: Warum dieser Ur-Porsche allen die Show stiehlt

6. August 2026 Autor: Dorian Rätzke

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So müssen sich Ingenieure vor fast einem Jahrhundert die Autos der ferneren Zukunft vorgestellt haben: Mit seinen vollständig verkleideten Radhäusern, der tropfenförmigen Passagierkanzel und einer geschmeidigen Aluminiumhaut wirkt der Porsche Typ 64 eher wie das Traumauto von Flash Gordon oder ein Stromlinien-Batmobil – kurzum: ein zeitgetreuer Requisitentraum aus einem alten Science-Fiction-Film.
Beim Gaisbergrennen 2026 in Salzburg zog der silbrige Porsche die Besucher und ihre Smartphone-Linsen magisch an: Wann immer Michaela Barbach den Wagen an den Start rollte, zückten Zuschauer wie Fotografen synchron die Kameras. Er avancierte mühelos zum meistfotografierten Exoten des Wochenendes. Was aber steckt hinter dieser utopischen Silhouette? Es ist die spektakuläre Rekonstruktion des legendären Berlin-Rom-Wagens von 1939. Wir erklären, welche historische Dramatik und wie viele tausend Stunden leidenschaftlicher Handarbeit hinter diesem außergewöhnlichen Publikumsliebling stecken.

Das Original: der Porsche Typ 64 im Hof der Porsche-Villa in Stuttgart 1939. Für das geplante Rennen Berlin-Rom konstruierte Porsche eine Sportversion des Volkswagens, den Porsche Typ 64 („Berlin-Rom-Wagen“). Der Wagen hatte eine strömungsgünstige Aluminiumkarosserie und einen auf 40 PS leistungsgesteigerten Motor. Damit konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erreicht werden.     

Das Original: der Porsche Typ 64 im Hof der Porsche-Villa in Stuttgart 1939. Für das geplante Rennen Berlin-Rom konstruierte Porsche eine Sportversion des Volkswagens, den Porsche Typ 64 („Berlin-Rom-Wagen“). Der Wagen hatte eine strömungsgünstige Aluminiumkarosserie und einen auf 40 PS leistungsgesteigerten Motor. Damit konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erreicht werden.  

Der Traum von der Hochgeschwindigkeits-Fernfahrt

Ende der 1930er-Jahre sollte das geplante Fernrennen von Berlin nach Rom die Leistungsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie auf den neuen Autobahnen demonstrieren. Ferdinand Porsche und sein Konstruktionsbüro entwickelten im Frühjahr 1939 auf Basis des KdF-Wagens eine extrem stromlinienförmige Aluminium-Karosserie: den Typ 60K10, besser bekannt als Porsche Typ 64. Das Design von Erwin Komenda und die von Josef Mickl berechnete Aerodynamik waren ihrer Zeit weit voraus: Mit einem hervorragenden cw-Wert von 0,385, verkleideten Radausschnitten und einer strömungsoptimierten Fahrgastzelle erreichte das Leichtgewicht trotz überschaubarer Motorleistung eine praktische Höchstgeschwindigkeit von rund 145 km/h (theoretisch sogar über 170 km/h). 
Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhinderte das Rennen jedoch. Von den drei gebauten Exemplaren überstand nur ein einziges Fahrzeug das Kriegsende vollständig. Der Tiroler Rennfahrer Otto Mathé kaufte den Wagen 1949 und fuhr damit jahrelang siegreich Rennen.

Ein kühner Entschluss in Kottingbrunn

Die Geschichte der Wiedergeburt begann nach dem Tod von Otto Mathé im Jahr 1995. Als der Rennfahrer Dr. Thomas Gruber das gealterte Original kaufte, wurde es 1998 vom renommierten Porsche-Spezialisten Michael Barbach in Niederösterreich restauriert und wieder auf Linkslenkung zurückgebaut. 2008 wechselte das historische Original erneut den Besitzer. Michael Barbach beschloss, für sich selbst eine perfekte Hommage zu erschaffen. „Wenn man einmal die Magie und diese vollkommene Aerodynamik des Ur-Porsche aus der Nähe spüren durfte, lässt einen das nicht mehr los“, erinnert sich der Erbauer (im Foto re.). „Für uns war klar: Wir wollten dieses Fahrzeug nicht einfach nur nachbauen, sondern die Seele des originalen Entwurfs von 1939 exakt so einfangen, wie Ferdinand Porsche ihn erdacht hatte.“

Tausende Stunden handwerkliche Perfektion

Da historische Ersatzteile schlichtweg nicht existierten und Bildmaterial spärlich war, gestaltete sich die Rekonstruktion als extrem komplex. Im Mai 2014 – nach jahrelanger Bauzeit und tausenden Arbeitsstunden – stand der Stromlinien-Porsche schließlich vollendet auf den Rädern. Auf einem maßgefertigten Holzgerippe wurden die Aluminiumbleche von Hand über die Formen getrieben. Scheiben wurden von Künstlern eigens gebogen, Leuchten und unzählige Kleinteile in mühevoller Detailarbeit nachgebaut. Barbach orientierte sich dabei optisch an Fahrzeug Nr. 1 des Ursprungsjahrgangs 1939. „Dieses Projekt hat uns als Werkstatt-Team alles abgefordert“, beschreibt Werkstättenleiterin Michaela Barbach (sie ist die Tochter von Michael Barbach) den Entstehungsprozess. „Man arbeitet nicht nach modernen CAD-Daten, sondern tastet sich mit Geduld, Augenmaß und tiefem Respekt vor dem historischen Handwerk voran. Das Biegen und Dengeln der Aluminiumhaut erfordert absolute Präzision – ein falscher Schlag, und man fängt von vorne an.“

Fahrgefühl: Pure Entschleunigung auf der Bergstrecke

Wer den Porsche 64K10 in Bewegung erlebt, begreift sofort die Faszination dieses Fahrzeugs. Beim Gaisbergrennen 2026 bewies Michaela Barbach (im Foto re., links ihre Co-Pilotin Eva Barbach) hinter dem Steuer der Recreation, dass dieser Wagen keineswegs ein reines Museumsstück ist - und mit Erfolg: 3. Platz in der Gesamtwertung der Sportwagen bis 1945. Aber wie fährt sich dieser Ur-Porsche auf der Straße, wie fühlt es sich an? Michaela Barbach: „Der Wagen fährt sich zu modernen Fahrzeugen gegenüber mechanisch, also alles pur und entschleunigt. Das Fahrgefühl ist durch den Heckmotor geprägt, was die Lenkung im Stand zwar schwer, aber in Fahrt überraschend leichtgängig macht.“ Für alle Fans des silbernen Alu-Solitärs gibt es zudem gute Nachrichten für die nächste Saison. Michaela Barbach: „Geplant ist, nächstes Jahr wieder beim Gaisbergrennen an den Start zu gehen, da es mega viel Spaß gemacht hat und ein tolles Erlebnis für uns war.“ Dann können wieder die Handys gezückt werden ...

Fotos: M. Barbach Classic & Motor Manufactur GmbH | RM Sotheby's | Porsche AG 

Mehr Infos zu diesem Fahrzeug finden Sie hier

Technische Daten & Fakten: Porsche 64K10 (Recreation by Barbach)

Historisches Vorbild: Porsche Typ 64 / VW Typ 60 K 10 (Berlin-Rom-Wagen 1939)

Entwicklungsaufwand: Tausende Arbeitsstunden reiner Handarbeit (Fertigstellung Mai 2014)

Karosserie: Handgetriebenes Aluminium auf maßgefertigtem Holzmodell

cW-Wert: 0,385 (historischer Vorgabewert von 1939)

Spezialanfertigungen: Einzelgefertigte Leuchten, von Künstlern gebogene Scheiben

Motor: Luftgekühlter 4-Zylinder-Boxermotor

Besonderheiten: Vollverkleidete Radhäuser, versetzte Sitzposition, historische Optik in Anlehnung an Chassis 38/41

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