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Warum Oldtimer in Österreich beliebter sind als in Deutschland

7. Oktober 2026 Autor: Dorian Rätzke

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92 Prozent der Österreicher freuen sich, wenn ihnen auf der Straße ein Oldtimer begegnet. 93 Prozent finden historische Fahrzeuge sympathisch, 91 Prozent halten sie für erhaltenswertes Kulturgut. Die neue Studie „Oldtimer in Österreich 2026“ liefert überraschende Erkenntnisse über den Stellenwert von Klassikern im Land. Und: einige Werte sind viel höher als in Deutschland. Denn Oldtimer gelten hier nicht bloß als alte Autos für einige wenige Liebhaber. Sie stehen für Technikgeschichte, Handwerkskunst und sind für viele Menschen Teil österreichischer Identität. 
Vor allem die Ergebnisse zur jungen Generation lassen aufhorchen. Denn ausgerechnet die 18- bis 30-Jährigen zeigen großes Interesse an historischen Fahrzeugen.

Österreich hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe der europäischen Oldtimer-Szene entwickelt. Hochkarätige Veranstaltungen wie das traditionsreiche Gaisbergrennen in Salzburg ziehen auch zahlreiche Teilnehmer aus Deutschland an. Das Bild zeigt die Fahrzeugabnahme vor Schloss Hellbrunn.unn.

Österreich hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe der europäischen Oldtimer-Szene entwickelt. Hochkarätige Veranstaltungen wie das traditionsreiche Gaisbergrennen in Salzburg ziehen auch zahlreiche Teilnehmer aus Deutschland an. Das Bild zeigt die Fahrzeugabnahme vor Schloss Hellbrunn.

Kein Hobby für wenige

Die neuen Zahlen widersprechen dem Bild einer kleinen, abgeschotteten Liebhaberszene. Historische Fahrzeuge genießen Rückhalt weit über den Kreis ihrer Besitzer hinaus. Sie sind ein sichtbarer Teil der österreichischen Alltagskultur.
86 Prozent der Befragten wünschen sich, dass historische Fahrzeuge auch in Zukunft auf Österreichs Straßen präsent bleiben.
Mag. Christian Schamburek, Autor der Studie und Generalsekretär des Kuratoriums Historische Mobilität Österreich, sieht darin ein starkes Signal:
„Damit die österreichische Oldtimerszene auf Fakten und einen einheitlichen Datenpool zurückgreifen kann, haben wir 2017 begonnen, diese Studie zu etablieren. 2026 spiegelt nun den aktuellen Stand wider. Die Sympathiewerte zeigen, wie breit Oldtimer in der Bevölkerung verankert sind: 93 Prozent finden sie generell sympathisch, 92 Prozent freuen sich, wenn ihnen ein historisches Fahrzeug begegnet. Für unsere Interessenvertretung ist das ein starkes Argument. Es macht deutlich, dass der Erhalt historischer Fahrzeuge nicht nur ein Anliegen ihrer Besitzer ist, sondern auf breite gesellschaftliche Zustimmung stößt. Diese Rückendeckung hilft uns, den Dialog mit Politik und Behörden sachlich und selbstbewusst zu führen.“ 
Die Botschaft ist klar: Wer sich für den Erhalt historischer Fahrzeuge einsetzt, spricht nicht nur für Sammler und Clubs. Er kann sich auf eine breite gesellschaftliche Zustimmung stützen.
 

Österreich und Deutschland im direkten Vergleich

Auch in Deutschland sind Oldtimer beliebt. Doch Österreich hat emotional die Nase vorn. In Deutschland freuen sich laut der aktuellen BBE-Classic-Studie 82 Prozent der Befragten über einen Oldtimer auf der Straße. 86 Prozent betrachten klassische Fahrzeuge als Kulturgut. In Österreich liegen die entsprechenden Werte bei 92 beziehungsweise 91 Prozent. Bei der allgemeinen Sympathie wird der Unterschied noch deutlicher: 93 Prozent in Österreich stehen 82 Prozent in Deutschland gegenüber.

Der Vergleich auf einen Blick:

Freude und Sympathie für Oldtimer: Österreich 93 Prozent, Deutschland 82 Prozent
Oldtimer als Kulturgut: Österreich 91 Prozent, Deutschland 86 Prozent

Heißt das, die Deutschen mögen alte Autos nicht? Keineswegs. In beiden Ländern steht eine große Mehrheit hinter dem automobilen Kulturgut. Doch in Österreich fällt die emotionale Bindung noch stärker aus.

Eine Branche mit 787 Millionen Euro Wirtschaftsleistung

Die Leidenschaft erzeugt dennoch beachtliche Umsätze. Die Studie beziffert die jährliche Wirtschaftsleistung der österreichischen Oldtimerbranche auf rund 787 Millionen Euro. Dazu zählen Wartung, Restaurierung, Versicherungen, Veranstaltungen, Tourismus und der Handel mit historischen Fahrzeugen.
Rund 115.000 Menschen in Österreich besitzen mindestens einen Oldtimer. Der geschätzte Wert des privaten Fahrzeugbestands liegt bei mehr als 6,3 Milliarden Euro.
Davon profitieren nicht nur Händler und Werkstätten. Oldtimer sichern Aufträge für Restauratoren, Sattler, Lackierer, Motorenbauer und viele weitere spezialisierte Betriebe. Auch Veranstalter, Hotels und die Gastronomie verdienen an der mobilen Leidenschaft.
Es geht somit nicht allein um Chrom und schöne Erinnerungen. Es geht um Arbeitsplätze, Fachwissen und handwerkliche Fähigkeiten, die ohne die Klassikerszene verloren gehen könnten.

Viel Leidenschaft, wenig Fahrleistung

Bleibt die Umweltfrage. Schließlich stammen viele Oldtimer aus Zeiten, in denen Abgaswerte und Verbrauch eine geringere Rolle spielten. Doch ihr Anteil am Verkehr ist klein: In Österreich entfallen lediglich 0,8 Prozent der gesamten Pkw-Fahrleistung auf Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre sind. 
Auch in Deutschland wird die Umweltbelastung von vielen Befragten als überschaubar bewertet. 51 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Oldtimer aufgrund ihrer geringen Fahrleistung der Umwelt nicht nennenswert schaden.
Oldtimer prägen also das Straßenbild stärker als die Kilometerstatistik. Sie werden gepflegt, gewartet und bei gutem Wetter ausgefahren. Für den täglichen Weg zur Arbeit sind sie meist nicht gedacht.

Eine Liebe mit Zukunft

Österreich liebt seine Oldtimer. Vielleicht sogar ein wenig mehr als der große Nachbar Deutschland. Das zeigt sich nicht nur an hohen Sympathiewerten, sondern auch am Wunsch, historische Fahrzeuge weiterhin auf den Straßen zu sehen. 
Besonders bemerkenswert ist der Blick auf die junge Generation: Wenn sich 68 Prozent der 18- bis 30-Jährigen einen eigenen Klassiker vorstellen können, wirkt die oft beschworene Nachwuchssorge plötzlich weit weniger bedrohlich. Die Österreicher bewahren ihre Oldtimer also nicht bloß für das Museum. Sie wollen sie sehen, hören und fahren. Und offenbar soll das noch lange so bleiben.

Fotos: OCC Assekuradeur | Concours of Elegance | Vienna Classic Days | Sundowner by Emil's Garage | Ennstal Classic | Kuratorium Historische Mobilität Österreich

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