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Ortstermin beim Gutachter: So viel ist der OCC-Mercedes wirklich wert!

5. März 2026 Autor: Dorian Rätzke

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Von DORIAN RÄTZKE
In der Halle 49 in Lübeck riecht es nach Kraftstoff, altem Öl, Gummi und Leder. Zwischen Scheinwerferstativen und Kameras steht er, der blaue Kombi mit dem weißen OCC-Logo: ein Mercedes-Benz 280 TE, Baujahr 1981. Es ist ein besonderer Drehtag für den YouTube-Kanal von OCC: Der bekannte Motorjournalist und Moderator Ulf Schulz (u.a. rbb und Antenne Brandenburg) ist gekommen, um die Begutachtung des „Gründer-Benz“ vor laufender Kamera zu moderieren. Da der originale W123-Kombi der OCC-Gründer längst nicht mehr existiert, wurde dieser nahezu identische Benz vor einigen Jahren als optische Hommage erworben. 
Doch für Nostalgie ist heute kein Platz. Sebastian Gröhe von Classic Trader (Anbieter des Gutachter-Service CT Inspections) und der Sachverständige Marco Borowski (Ing.-Büro Butzirus, Wismar und Schwerin) sind gekommen, um das alte Mercedes-Blech kühl unter die Lupe zu nehmen. 
Die Stunde der Wahrheit für den Sechszylinder mit 185 PS. Wie viel ist er wirklich wert? Und in welchem Zustand zeigt er sich? Und wie geht der Gutachter eigentlich vor? Wir haben ihm über die Schulter geschaut. 

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Expertenrunde beim OCC-Videodreh in der Halle 49 (v.l.): Sebastian Groehl (Classic Trader), Moderator Ulf Schulz und Gutachter Marco Borowski. Hinter ihnen der OCC-Gründerbenz 280TE mit dem damals prestigeträchtigen M110-Doppelnockenwellenmotor (DOHC, 2,8 Liter Hubraum, 185 PS). Er ist übrigens eines der wenigen Exemplare mit manuellem Vierganggetriebe, die meisten der 19.775 gebauten 280TE haben ein Automatikgetriebe.

Expertenrunde beim OCC-Videodreh in der Halle 49 (v.l.): Sebastian Groehl (Classic Trader), Moderator Ulf Schulz und Gutachter Marco Borowski. Hinter ihnen der OCC-Gründerbenz 280TE mit dem damals prestigeträchtigen M110-Doppelnockenwellenmotor (DOHC, 2,8 Liter Hubraum, 185 PS). Er ist übrigens eines der wenigen Exemplare mit manuellem Vierganggetriebe, die meisten der 19.775 gebauten 280TE haben ein Automatikgetriebe.

Das ist der Benz der OCC-Gründer

Der blaue Mercedes-Benz 280 TE (Baujahr 1981, Baureihe S123) mit dem großen OCC-Logo ist auf Oldtimer-Events in ganz Deutschland bekannt. Hintergrund: die OCC-Gründer Thomas Sühr und Christian Bartelt fuhren so einen blauen W123-Kombi als Firmenwagen, mit dem sie 1984 auf dem Nürburgring erstmals ihre neue Oldtimerversicherung vorstellten (Foto). Um an den legendären Mercedes zu erinnern (das Gründer-Original ist schon lange verschollen), haben wir einen optisch nahezu identischen Wagen erworben. Kaufpreis: 21.000 EUR. Eine Zustandsnote 2 attestierte ihm ein frisches Wertgutachten beim Verkauf. In der Zwischenzeit hatte er etliche kleine Mängel, die schnell behoben wurden, aber nicht billig waren (ungefähr 10.000 EUR flossen in die Reparaturen).  

Der Trick mit dem ersten Blick

Zurück zur Halle 49: Gutachter Marco Borowski beginnt die Untersuchung nicht mit Werkzeug, sondern mit Distanz. Er lässt den Wagen erst einmal auf sich wirken, bevor er die Haube entriegelt. „Zunächst schaue ich mir das Auto aus einer gewissen räumlichen Perspektive an“, erklärt der Experte seine Vorgehensweise. „So sehe ich insbesondere Farbunterschiede, Dellen oder Beulen, je nachdem, wie die Lichtverhältnisse sind. Man sieht auch, ob unter anderem die Front von den Spaltmaßen her passt, dass sie nicht verschoben ist.“
Nach einer kurzen Probefahrt fällt das erste Urteil des Gutachters positiv aus, wenn auch mit Einschränkungen. „Der erste Eindruck ist: ein solides Fahrzeug mit leichten Mängeln“, bilanziert Borowski. „Wir haben in den Bereichen ein paar Teile, die mit geringen Reparaturmaßnahmen instand gesetzt werden können. Technisch gesehen ist er aber in Ordnung gewesen. Der Geradeauslauf und die Bremszeiten waren in Ordnung. Also ein Auto, das problemlos bewegt werden kann.“

Die Jagd nach dem versteckten Rost

Doch warum überhaupt der Aufwand? Classic Trader-Experte Sebastian Gröhe betont die wirtschaftliche Relevanz: „Selbstverständlich benötigt man ein Gutachten. Ein Wertgutachten ist für den Kunden die Sicherheit, dass er auch das, was das Fahrzeug wirklich wert ist, im Schadensfall bekommt. Es muss nicht nur ein Unfall sein, sondern es kann zum Beispiel auch ein Brandschaden sein oder ein Diebstahl.“
Auf der Hebebühne zeigt der Mercedes dann sein wahres Gesicht. Borowski kennt die Schwachstellen der Baureihe W123 in- und auswendig. „Das ist der Rost an beiden Kotflügeln vorne, an den Türen, der Seitenwand und beim Kombi auf jeden Fall an der Heckklappe“, zählt er auf, während er mit der Taschenlampe die Radläufe beleuchtet. Er zeigt auf eine Stelle beim Blinker am Kotflügel vorn: „Hier sieht man eine Unterrostung. Das ist auch schon etwas fortgeschrittener. Das ist jetzt unterm Lack Korrosion entstanden und drückt das jetzt alles hoch. Ansonsten ist er aber relativ rostfrei, muss man echt sagen.“ Sein wichtigstes Werkzeug während der ganzen Untersuchung ist eine App auf dem Handy, in die er akribisch alle 128 Prüfpunkte abhakt und mit Fotos dokumentiert.

Nicht alles Gold was glänzt

Dann kommt das Schichtdickenmessgerät zum Einsatz. Es soll enthüllen, was unter dem blauen Lack schlummert. Borowski misst teilweise Werte von über 500 µm und stellt trocken fest: „Das ist krass. Der ist definitiv nachlackiert worden.“ Doch das muss kein Ausschlusskriterium sein. „Entweder haben sie die Teile komplett ausgetauscht, oder sie haben alles heruntergenommen und komplett neu aufgebaut“, mutmaßt er. Wenn die Arbeit gut gemacht worden sei, könne das sogar ein Vorteil sein.
Auch bei der Ausstattung stellt sich die Frage: Originalität oder Erhalt? Bei einem Radio im Retro-Look gibt Borowski Entwarnung. „Ein Radio ist immer noch schnell austauschbar, wenn man jetzt wirklich sagt, ich möchte es wieder in den Originalzustand zurückversetzen“, erläutert er. Kritischer sieht er verschlissene Polster. „In so einem Fall würde ich jetzt einen abgesessenen Sitz erneuern. Wenn da ein neuer Stoff drauf ist, ist es natürlich auf jeden Fall wertsteigernd.“

Das Gewicht der Geschichte

Auch die Dokumentation kann den Wert eines Oldtimers erheblich beeinflussen. Ein gut gefüllter Ordner mit Rechnungen und Belegen liefert wichtige Hinweise auf Pflege und Historie des Fahrzeugs. Borowski blättert durch die Unterlagen des OCC-Benz und stößt unter anderem auf Rechnungen über eine große Durchsicht sowie Arbeiten an Achse und Motor in Höhe von rund 1.300 Euro.
„Es geht nicht nur um das Wartungsheft. Gerade bei älteren Fahrzeugen sind Rechnungen und TÜV-Berichte besonders wichtig“, erklärt er. „Nur so lässt sich nachvollziehen, welche Arbeiten tatsächlich bei wem durchgeführt wurden.“
Zudem helfen die Unterlagen, die Laufleistung plausibel einzuordnen: „Bei klassischen Fahrzeugen lässt sich nicht immer eindeutig belegen, ob ein Mercedes tatsächlich 600.000 Kilometer gefahren ist – etwa wenn irgendwann einmal der Tacho ersetzt wurde. Anders als bei modernen Autos sind solche Daten früher nicht elektronisch gespeichert oder codiert worden.“
Auch die Historie eines Fahrzeugs kann Einfluss auf den Marktwert haben. Dazu zählen etwa seltene Ausstattungen, eine besondere Nutzungsgeschichte – oder prominente Vorbesitzer. „Ein Brigitte-Bardot-Fan würde für ein Fahrzeug aus ihrem Besitz vielleicht ein Vielfaches bezahlen, während ein anderer Käufer damit wenig anfangen kann“, sagt Borowski mit einem Augenzwinkern.
Für Sachverständige bleibt die Bewertung dennoch klar getrennt: Der technische und optische Zustand bestimmt weiterhin die Zustandsnote. Eine belegbare Promi-Provenienz kann jedoch in die Marktwertbetrachtung einfließen und das Fahrzeug für bestimmte Sammler deutlich attraktiver machen.

Das finale Urteil: Die 22.000-Euro-Frage

Am Ende des einstündigen Termins werden die 128 Prüfpunkte zusammengeführt. Die Niveauregulierung, die Borowski bei den W123-Kombimodellen als „hydroproblematisch“ bezeichnet, zeigt sich tadellos. Der Innenraum wurde als „top“ bewertet. „Also ich finde das Lackthema ist jetzt absolut in Ordnung. Auch der Innenraum hat absolut überrascht“, resümiert Sebastian Groehl von Classic Trader.
Doch was bedeutet das in harten Zahlen? „Es gibt keine 2 minus mehr“, erklärt Borowski die Logik der modernen Bewertung, „also muss es für das Wertgutachten entweder eine 2 oder eine 3 sein.“ Für den blauen OCC-Kombi reicht es trotz der kleinen Roststelle am Blinker für die Note 2,5. 
Und was ist der Benz nun wert? 
Marco Borowski wirft noch einmal einen Blick in die von Classic Trader im Rahmen jedes CT Inspections Auftrages gelieferte Marktwertanalyse/Marktwerttabelle – dann steht das Ergebnis fest. Ein Mercedes S123 280 TE im makellosen Zustand der Note 1 wird derzeit mit rund 42.000 Euro gehandelt. Den begutachteten OCC-Mercedes taxiert der Sachverständige dagegen auf einen Marktwert von 24.500 Euro (immerhin 3.500 Euro mehr als beim Kauf).
Sein Fazit fällt positiv aus: „So ein Auto würde ich kaufen – definitiv.“

Fotos: Marian Loose | Dorian Rätzke

Übrigens: Moderator Ulf Schulz hat gerade sein neues Podcast-Format "AutoQuartett" gestartet, das Sie u.a. auf Podcast.de, Apple und Youtube hören können. 

Amtlich: Der Gründerbenz von OCC bekommt die Note 2,5 und ist 24.500 EUR wert. OCC-Marketingchef Raimund Jebens (li.) freut sich, neben ihm Sebastian Groehl (Classic Trader) und Gutachter Marco Borowski (re.).

Amtlich: Der Gründerbenz von OCC bekommt die Note 2,5 und ist 24.500 EUR wert. OCC-Marketingchef Raimund Jebens (li.) freut sich, neben ihm Sebastian Groehl (Classic Trader) und Gutachter Marco Borowski (re.).

Vorteile für OCC-Kunden beim CT Inspections-Wertgutachten

Um den exakten Marktwert eines Klassikers zu ermitteln, setzt CT Inspections auf ein standardisiertes, hochdetailliertes Prüfverfahren. Das System umfasst bis zu 128 Prüfpunkte, die von zertifizierten Sachverständigen direkt vor Ort – wie hier in der Halle 49 – abgearbeitet werden. Dabei werden Karosserie, Technik, Interieur und die Historie (Matching Numbers, Dokumentation) systematisch bewertet, um eine fundierte Zustandsnote zu ermitteln. Dieses Gutachten dient nicht nur der Wertbestimmung für den Kauf oder Verkauf, sondern ist die essenzielle Grundlage für die Versicherungseinstufung im Schadensfall. Normalerweise wird das Gutachten digital als PDF übermittelt. Wer eine hochwertige Dokumentation für seine Unterlagen möchte, zahlt für die gebundene Buchform üblicherweise einen Aufpreis von 30 EUR. Für OCC-Kunden gibt es hier jedoch eine Sonderregelung. Sebastian Gröhe (Classic Trader): „OCC-Kunden: Sie erhalten dieses hochwertige, gedruckte Gutachten-Buch als exklusiven Benefit gratis zu ihrer Inspektion dazu.“ 
Weitere Informationen zu den verschiedenen Gutachten-Typen finden Sie unter: www.ct-inspections.com/de/wertgutachten/

Das Video zum Artikel: Wertgutachten mit CT Inspections und Moderator Ulf Schulz