Trauer um Claus Mirbach: Er erfand den Oldtimerhandel in Deutschland
4. November 2026 Autor: Dorian Rätzke
Deutschlands Oldtimer-Community trauert: Claus Mirbach ist tot. Wie seine Witwe Britta Mirbach dem OCC Magazin bestätigte, schlief Claus Mirbach am 2. November 2026 sanft im Kreis seiner engsten Familie ein. Er wurde 89 Jahre alt. Mit ihm verliert die deutsche Oldtimerszene einen ihrer frühen Wegbereiter: einen Hamburger Kaufmann, der mit klassischen Automobilen handelte, als sie noch schlicht Gebrauchtwagen waren. Mirbach galt als Erfinder des Oldtimerhandels in Deutschland, war als Experte weltweit bekannt und anerkannt. Und er verkaufte nicht nur Autos. Er kannte ihre Geschichten – und brachte Menschen in Ost und West zusammen.
Ein Bugatti für 500 Mark
Claus Friedrich Mirbach wurde am 30. Januar 1937 in Hamburg geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre begann er 1957 als Autoverkäufer bei Opel Lunau. Seine eigentliche Karriere aber startete ein Jahr später – mit einem alten Bugatti auf einem Schrottplatz in Südfrankreich.
„Ich war von dem Auto begeistert und wollte es unbedingt kaufen“, erinnerte sich Mirbach später. Er zahlte 500 Mark, brachte den Wagen zum Laufen und fuhr damit nach Hamburg. Die Reise dauerte Tage, der Motor überhitzte immer wieder. Mirbach nannte die Fahrt später „eine Tortur“.
In Hamburg verkaufte er den Bugatti für 3.500 Mark. „Das hat mich auch dazu bewogen, dabeizubleiben“, sagte er rückblickend.
Er blieb dabei – für den Rest seines Lebens.
Oldtimer, bevor es den Oldtimermarkt gab
Seit Ende der 1950er-Jahre handelte Mirbach mit Sport- und Gebrauchtwagen, 1962 machte er sich nach seiner Verlagsbiografie als Oldtimer- und Sportwagenhändler selbstständig. Erst in Hamburg-Pöseldorf, später am Mittelweg baute er C.F. Mirbach zu einer bekannten Adresse für klassische Automobile auf.
Dabei muss man sich die Zeit vor Augen führen: Ein Mercedes 300 SL, Porsche 356 oder alter Bugatti war damals nicht automatisch ein begehrtes Sammlerstück.
„Als ich 1958 begann, waren das alles noch sportliche Gebraucht- oder sogar Neuwagen“, sagte Mirbach 2012.
Seine Witwe Britta zum OCC Magazin: „In den späten 60er und frühen 70er Jahren begann auch der Boom des Exports nach Amerika. Die Amerikaner liebten den VW Käfer und den Porsche 356, den es damals für 4000 bis 5000 D-Mark gab, für die Amis war das spottbillig.“ Später eroberte Mirbach mit Klassikern die Märkte im Nahen Osten und nach dem Mauerfall die Neuen Bundesländer und Osteuropa. „Die Menschen wollten Lada fahren und wir besorgten ihnen die Ladas. Wir fuhren bis nach St. Petersburg, um dort Geschäfte abzuwickeln. Dadurch entstanden auch viele Freundschaften mit den Menschen dort“, erinnert sich Britta Mirbach.
Ein Samsonite Koffer und 30.000 Mark
Claus Mirbach sah sich nicht nur als Verkäufer. Er verstand sich als Makler zwischen Besitzer, Auto und neuem Eigentümer.
„Bei uns ist der Kunde auch nach dem Kauf ein gern gesehener Gast – im besten Falle wird er zum Freund“, sagte er 2012 in einem Interview.
Durch seine Hände gingen im Laufe der Jahrzehnte außergewöhnliche Fahrzeuge. Mirbach selbst sprach später von „Tausenden“. Darunter waren der Ferrari 500 Superfast des Kaufhausunternehmers Helmut Horten, ein Mercedes 250 CE von Inge Meysel und ein Porsche 356 von Götz George.
Eine seiner schönsten Geschichten handelt von einem Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer. Mirbach kaufte ihn 1967 für 6.000 Mark. Nach Reparaturen bot er den Wagen für 32.000 Mark an. Ein Interessent erschien mit einem Samsonite-Koffer und 30.000 Mark. Mirbach akzeptierte – unter einer Bedingung: „Der Koffer gehört mir dann aber auch.“ Den Koffer behielt er jahrzehntelang.
Seine Lieblingsautos waren ganz einfach
1987 verkaufte Mirbach sein ursprüngliches Handelshaus und widmete sich dem Aufbau des Restaurierungsbetriebs MIKA in Mölln. „Die Idee war, alle Arbeiten am Oldtimer unter einem Dach anzubieten“, so Britta Mirbach.
Später kehrte er als Berater zu seinem früheren Unternehmen zurück. Doch Ruhestand war offenbar nicht seine Sache.
2010 gründete er in Hamburg noch einmal ein eigenes Unternehmen. Daraus entstand Claus Mirbach Feine Mobile. Mirbach war inzwischen über 70 – und stand wieder zwischen klassischen Autos, Kunden und Interessenten. Auf teuren Glanz legte er wenig Wert. Entscheidend waren für ihn gute Fahrzeuge, faire Preise und Vertrauen. Das passte zu seinem Selbstbild. Bei der Motorworld Classics Berlin sagte er 2017 über sich selbst: „Ich war nie ein Großkotz.“
Hatte Claus Mirbach ein Lieblingsauto? Witwe Britta zum OCC Magazin: „Claus liebte mehrere Modelle. Dazu gehörten natürlich der Porsche 356, als er mit dem Geschäft anfing. Zu seinen Favoriten gehörte auch ein Sunbeam Alpine und ein Citroën 11CV, ein zweisitziger Roadster, mit dem er gern an Rallyes teilnahm. Für ihn war es wichtig, dass man die Fahrzeuge im Notfall schnell reparieren kann, die Technik simpel ist. Zu viel Schnickschnack war nicht sein Ding."
Verfolgungsjagd durch die Dünen
Autos begleiteten Claus Mirbach fast sein gesamtes Leben. Doch Freunde und Weggefährten merkten schnell: Ihm ging es nie nur um PS, Preise oder perfekten Lack. Es ging um Menschen und ihre Geschichten. Und Mirbach hatte viele davon zu erzählen. 2014 erschien seine „Auto-Biografie“„Vorfahrt für Oldtimer“ (Husum Verlag, 19,95 Euro). Auf 224 Seiten berichtet Mirbach von Roadtrips durch das Frankreich der 1960er-Jahre, skurrilen Kunden und extravaganten Fahrzeugen, einer Verfolgungsjagd mit der Polizei durch Sylter Dünen, Geschäften mit saudischen Prinzen und japanischen Geschäftsleuten und abenteuerlichen Touren durch die ehemalige Sowjetunion. Wie viele Verbindungen, Kontakte und auch Freundschaften daraus geblieben sind, merkt seine Frau Britta (im Foto re.) in diesen Tagen: „Mich erreichen zahlreiche Nachrichten aus aller Welt. Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen sich an Claus erinnern und uns geschrieben haben. Über diese große Anteilnahme habe ich mich sehr gefreut. Er hat ein erfülltes Leben gehabt“, sagt sie.
Fotos: Britta Mirbach
Das Buch „Vorfahrt für Oldtimer“ von Claus Mirbach können Sie direkt beim Verlag bestellen.
Weggefährte Stefan Luftschitz (Cargold Collection) erinnert an Claus Mirbach
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