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Maserati: Das Bike
mit dem Dreizack

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Ein Gastbeitrag aus dem Blog von www.classic-trader.de
Verbinden Sie mit dem Namen Maserati Motorräder? Vermutlich geht es Ihnen wie den meisten, Sie denken an sportliche Limousinen und Coupés oder an stilvolle Details wie die Analoguhr auf dem Armaturenbrett. Der Dreizack zierte aber auch in den 1950er-Jahren einige Motorradmodelle.
Dass Maserati Motorräder gemeinhin nicht sonderlich in der öffentlichen Wahrnehmung präsent sind, liegt auch daran, dass die Motorräder in einem eigenständigen Unternehmen produziert wurden, das strukturell unabhängig von der Automobilproduktion war.

Blutiger Start mit 6 Toten

Adolfo Orsi, der damalige Maserati-Eigentümer, gründete 1947 die Fabbrica Candele Accumulatori Maserati S.p.A. Angesichts des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg sicherlich ein weiterer sinnvoller Gedanke des findigen Unternehmers, sich auch auf kleine Motorräder und die Produktion von Verschleißteilen zu konzentrieren. Allerdings musste Orsi bald erkennen, dass man ein solches Unternehmen nicht nach althergebrachter Gutsherrenart führen kann. Während Maserati 1949 wegen einer Neustrukturierung geschlossen war, ordnete Adolfo Orsi an, die Hälfte der 500 Angestellten wegen ihrer Mitgliedschaft oder des Sympathisierens mit der kommunistischen Partei nicht weiter zu beschäftigen. Der daraus resultierenden Streik endete in einer gewaltsamer Niederschlagung, bei der sechs Arbeiter starben und weitere 50 verletzt wurden.

Schwester Ida übernahm die Leitung

Nach diesem schockierenden Ereignis nahm Maserati erst 1952 wieder die Produktion auf, allerdings wurden die Unternehmensteile aufgeteilt. Während sich Adolfo Orsi auf die PKW-Sparte konzentrierte, übernahm seine Schwester Ida die Leitung der Motorrad-Produktion. Wie sich rausstellte, handelte es sich um eine undankbare Aufgabe, da sich trotz der Neuausrichtung die Firma in der Krise befand. Kurzfristige Hilfe versprach der Zukauf des Herstellers Italmoto. Der kleine Motorradhersteller hatte einen vorzüglichen Ruf, ihnen fehlten aber einzylindrige Zwei- und Viertaktmaschinen im Portfolio. Anfangs ging der Plan auf und die 125er Zweitakt- und die 160er Viertakt-Maschinen verkauften sich ähnlich gut wie die Italmoto-Maschinen zuvor, aber zunehmend machten Qualitätsmängel Maserati zu schaffen. Durch schwerwiegende Produktionsfehler litt der gute Ruf und man konnte förmlich mit ansehen, wie die eigentlich gut geplanten Maschinen Stück für Stück in den Absatzzahlen Boden gegenüber den Konkurrenten wie Moto Morini, MV Agusta, Benelli und Laverda verloren.

Ein Zylinder und 2 PS reichten

Dennoch versuchte Maserati durch Vielseitigkeit wirtschaftlich rentabel zu bleiben. So produzierte man zwischen 1955 und 1960 von der 50 T2 mit 2 PS bis zur sportlicheren 250 T4 GT möglichst viele Facetten an Motorrädern mit nur einem Zylinder. Aufgrund der recht wahrscheinlichen Mängel der Maschinen, die ihnen quasi am Werk mitgegeben wurden, sind gut erhaltene und sorgfältig überarbeitete Modell nicht leicht zu finden und kosten entsprechend auch leicht niedrige fünfstellige Summen. Andererseits ist es vermutlich die günstigste Art, einen Dreizack zu fahren.


Text: Paolo Ollig
Fotos: www.classic-trader.com

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