Salzburg im Motoren-Rausch: Gipfelsturm zum Gaisberg 2026!
11. Juni 2026 Autor: Dorian Rätzke
Als Walter Lais (roter Rennanzug, Helm) den Startknopf drückt, bebt der Boden. Die Zuschauer halten jetzt respektvoll Abstand, einige schützen ihr Gehör. Ohrenbetäubender Lärm, sein Ferrari 512M (Baujahr 1971, 500 PS) donnert aus 12 Zylindern. Höchstgeschwindigkeit? „Irgendwas jenseits der 300 km/h, es ist nur die kurze Übersetzung“, schmunzelt der ehemalige Ferrari-Händler aus Stuttgart.
Wenig später jubeln ihm tausende Menschen in der Salzburger Altstadt beim Stadtgrandprix des berühmten Gaisbergrennens zu. 120 Fahrzeuge (Sportwagen, Rennwagen, Tourenwagen) sind dabei: Lohner-Porsche, Austro Daimler, Mercedes-Benz 24/100/140 Kompressor, Bugatti 51, Ferrari 275 GTB/4, Porsche 909 Bergspyder, Lancia Stratos-Hawk – die Liste liest sich wie das Who is Who der Automobilgeschichte.
Salzburg war für drei Tage das Epizentrum der Oldtimerwelt und wir (ein OCC-Team) waren mittendrin. Schnallen Sie sich an!
Walter Lais (re., im roten Rennzug) neben seinem Ferrari 512M (Baujahr 1971, 500 PS) auf Schloss Hellbrunn. Die historischen Rennwagen waren Publikumsmagneten. Links ein McKee MK7 (5,8 Liter V8 mit 600 PS) aus dem Jahr 1967.
Drei Tage volles Programm für Mensch und Maschine: Donnerstag Fahrzeugabnahme im Schloss Hellbrunn, dann der legendäre Stadtgrandprix durch Salzburgs barocke Kulisse. So viel Freiheit und Großzügigkeit der Behörden wünschten sich Oldtimer-Enthusiasten auch gern in deutschen Städten bei Klassiker-Events… Am Freitag die Wertungsläufe hoch zum Gaisberg, am Samstag ging’s auf den Salzburgring und zum Abschluss erneut auf den Gipfel: Finale und Siegerehrung. OCC startet mit Bernhard Eder am Steuer und Till Waitzinger als Co-Pilot. Ihr Wagen: ein Alfa Romeo GT 1600 Junior (Baujahr 1973, Hubraum 1570 ccm, 109 PS). Aus der Bluetooth Box im Auto läuft „Gloria“ von Umberto Tozzi. „Quasi zur Einstimmung und zum Warmwerden“, lacht Bernhard Eder. Das war nicht nötig. Schon mittags steigt das Quecksilber auf knapp 30 Grad. Einige Fahrer schwitzen in ihren feuerfesten Rennanzügen, flüchten in den Schatten. Roadsterfahrer decken die Sitze mit Sonnenschirmen ab, um sie etwas runterzukühlen.
Der Krimi um den ISO Rivolta A3/C
Mitten im Fahrerlager zieht ein ultraseltener ISO Rivolta A3/C mit genieteter Aluminiumkarosserie die Blicke auf sich. Die Piloten Lukas Vogel und Dirk Rethorst bewegen die reinrassige Rennsport-Rakete artgerecht. Konstruiert wurde der Wagen von Giotto Bizzarrini nach einem Streit mit dem ISO-Chef. „Dann sind vielleicht 15 oder 20 Autos mit diesem Chassis als Rennwagen entstanden“, erklärt Lukas Vogel. Co-Pilot Dirk Rethorst ergänzt: „Die waren schnell, konnten in Le Mans fast 300 fahren. Der Corsa zeichnet sich dadurch aus, dass er die Betankung durch die Heckscheibe hat – damit es schneller geht.“ Beim Blick auf die markanten Nieten gerät er ins Schwärmen: „Für mich schaut das aus wie Flugzeugbau, das ist schon etwas Besonderes.“ Unter der Haube schlummert solide, amerikanische Power. „Der Vorteil ist: Du hast einfach eine amerikanische Technik, einen Corvette-Motor drin. Einen Ventildeckel kriegst du heute aus dem Regal.“
Dass der Wagen überhaupt hier steht, grenzt an ein Wunder, denn seine Geschichte ist absolut krimireif. Weil es unzählige Nachbauten gibt, kam es bei der Zulassung zum Eklat mit der Justiz. Lukas Vogel erinnert sich: „Als ich meinen zulassen wollte, lief die Fahrgestellnummer schon in Holland. Die Kriminalpolizei war so schnell bei uns zu Hause, so schnell schaust du gar nicht, weil die gedacht haben, wir haben eine Fälschung.“ Mit notariellen Dokumenten konnte jedoch bewiesen werden, dass der Holländer eine reine Replik war. „Ich habe mein Auto dann zugelassen bekommen mit der Notiz, dass dies der Echte ist. Eine krasse Geschichte!“
Eine Renn-Legende mit Straßenzulassung: Alfa Romeo GTAM
Ein paar Meter weiter wartet ein giftiges Coupé auf seinen Einsatz. Gerald Grohmann und sein Sohn Alex sind mit einem waschechten Tourenwagen-Klassiker am Start: einem Alfa Romeo GTAm (Baujahr 1970, 1984 ccm Hubraum, 210 PS).
„Das ist an und für sich ein Rennauto, das für die Straße gar nicht zugelassen werden sollte“, erzählt Gerald Grohmann stolz. „Das wurde von Alfa Romeo Ende der 60er-Jahre für die Tourenwagen-Europameisterschaft gebaut.“ Gerald Grohmann hat mit dem Alfa eine lange, aktive Vergangenheit: „Ich bin mit dem Auto viele Jahre lang die italienische Rundstreckenmeisterschaft gefahren. Misano, Imola, Mugello, Monza, Vallelunga – das waren unsere Strecken. Vor einigen Jahren habe ich das Auto nach Österreich geholt und wollte es auch auf der Straße fahren. Darum habe ich eine Rennzulassung bekommen. Ich darf das Auto im Wesentlichen so, wie es im Rennmodus gebaut wurde, auf der Straße bewegen. Ich brauche dazu zusätzlich zum Führerschein eine Fahrerlizenz.“
Das Gaisbergrennen bestreitet er als eingespieltes Vater-Sohn-Gespann. „Heuer haben wir uns die Latte schon ein bisschen höher gesetzt. Was am Ende rauskommt, wissen wir noch nicht. Ups and Downs sind normal im Motorsport, damit habe ich gelernt zu leben. Das Wichtige ist, dass es uns Spaß macht. Alex ist ein wirklich super Beifahrer und Co-Pilot. Wir haben auch nie Stress untereinander im Cockpit. Ich kenne Pärchen, die sagen, nach der Sonderprüfung haben sie einen halben Tag lang nicht mehr miteinander geredet. Das gibt es bei uns nicht!“ Am Ende landet das Vater-Sohn-Team auf einem respektablen 6. Platz.
Ein Jaguar E-Type zum 80. Geburtstag
Dass die Leidenschaft für klassische Automobile und Benzin im Blut absolut keine Altersgrenze kennt, beweist Hans Weissacher aus Salzburg. Er genießt das Event in vollen Zügen. „Ich fahre bei diesem Gaisbergrennen mit einem Jaguar E-Type, den ich von meinem Sohn zum 80. Geburtstag, den ich voriges Jahr gehabt habe, als Geschenk bekommen habe“, strahlt der charmante Salzburger. „Ich habe eine Riesenfreude damit! Wir sitzen jetzt am Abend beim Essen beieinander, tauschen Informationen aus und haben eine Riesenfreude, weil jeder ein tolles Erlebnis hat. Man sieht, dass man mit 80 oder 81 noch Spaß am Benzin haben kann.“
Der sportliche Ehrgeiz steht für ihn dabei verständlicherweise nicht mehr an oberster Stelle: „Die Wertungsprüfung habe ich eher auf die leichtere Schulter genommen, weil ich immer gesagt habe: Dabeisein ist alles. In meinem Alter muss man funktionieren, aber nichts mehr gewinnen.“
Pures britisches Roadster-Glück: Jaguar XK140
Thomas Schiller (Foto) aus Regensburg pilotiert einen wunderschönen Jaguar XK140 Open Two-Seater aus dem Jahr 1955 – und lässt den dankbaren Autor des Artikels eine Runde auf den Gaisberg mitfahren. Was für ein herrliches Gefühl! Man sitzt so tief, eng und dicht am Geschehen. Die schmale Tür und die niedrige Gürtellinie vermitteln ein Fahrerlebnis, das im Vergleich zu heutigen SUV-"Panzern“ heute fast archaisch wirkt – intensiv und mit einer Prise Ehrfurcht. „Bloß nicht in einer Kurve herausgeschleudert werden“, denke ich mir im Stillen … Scheinbar mühelos schlängelt sich die Raubkatze die Serpentinen hoch – genau 8652 Meter. Höhenunterschied vom Startpunkt zum Ziel: 672 Meter. Oben, auf dem Plateau-Parkplatz sind wir in 1280 Metern Höhe. Routiniert schaltet sich Thomas Schiller durch die vier Gänge. „Was mich an dem Auto besonders gereizt hat, ist, dass es komplett im Originalzustand restauriert worden ist“, erklärt er während der Fahrt. „Das heißt, von den Einschlagnummern bis zu den Spats ist alles original. Es ist zwar alles neu aufbereitet worden – vom Leder bis zum Lack –, aber ansonsten ist die Grundsubstanz original.“
Der stilvolle Roadster wird keineswegs geschont, sondern im Alltag bewegt: „Wir haben den vor eineinhalb Jahren restaurieren lassen und fahren ihn eigentlich relativ viel, so 3.000 bis 4.000 Kilometer im Jahr, auch einige Oldtimer-Rallyes. Das macht einfach viel Spaß.“ Unter der langen Haube arbeitet ein legendäres Aggregat: „Das ist ein Sechszylinder-Motor, den es eigentlich seit dem XK120 schon gibt. Er wurde halt immer weiterentwickelt, mit höherer Endgeschwindigkeit, was dann im XK150 gegipfelt ist. Er hat 200 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Meilen – also rund 200 km/h.“
Abschied, Sektdusche und denkwürdige Sätze
Am Samstag um 15.37 Uhr stehen dann die Sieger fest: auf Platz 1 Karsten und Patricia Wohlenberg im Porsche 356 (Baujahr 1960), der zweite Platz geht an Stephan und Viktoria Zinterhof (Ford Mustang 2+2, Baujahr 1965) und Platz 3 erringen Christopher und Lisa Behensky im 1967er Alfa Romeo Spider Duetto. Eine große Sektdusche folgt. Es gibt keinen Teilnehmer, der nicht vom Gaisberg schwärmt und wiederkommen will.
Aber was ist das Erfolgsgeheimnis des Events, das so viel Strahlkraft über Österreich hinaus hat?
Zunächst das bewährte und perfekt eingespielte Organisationsteam um Dr. Gert Pierer und Thomas Matzelberger samt unzähligen fleißigen Helfern. Alles funktioniert wie am Schnürchen. Und natürlich Moderator Oliver Zeisberger, der charmant und mit viel Fachwissen das Event an der Strecke und bei den Abendgalas begleitete. Dr. Gert Pierer spricht beim Abschluss-Abend im Hangar-7 (Airport Salzburg) vielen Gästen aus dem Herzen: „Das Leben mit den vielen Krisen wie Energie, Klima, Politik und Kriegswirren bedrängt uns von allen Seiten. Wir haben uns in diesen drei Tagen eine Insel geschaffen, wo wir all das ausblenden – und unbeschwert unserem Hobby nachgehen können, bevor uns der Alltag wieder einholt.“
Fotos: Marian Loose, Dorian Rätzke / OCC | Uwe Brandl Salzburg Cityguide
So schön war's - die besten Bilder vom Gaisbergrennen 2026
Alex Grohmann (li.) wartet mit seinem Vater Gerald (M.) gespannt auf das Endergebnis. Am Ende werden sie 7. mit ihrem Alfa Romeo GTAm.
Rasant: Ein getunter, 280 PS starker Porsche 356 mit dem Namen "Silver Bullet" (Baujahr 1955) überholt einen 911er Coupé (210 PS) aus dem Jahr 1979.
Startpunkt: Die Teilnehmer kommen aus dem Fahrerlager „Am Professorfeld“ im Salzburger Ortsteil Guggenthal und biegen in die Gaisberg Landesstraße ein.
Walter Lais angespannt vor dem Rennen, im Hintergrund sein Ferrari 512M.
Traumhafte Aussicht aus 1280 Metern Höhe vom Plateau des Gaisbergs ins Tal hinunter nach Salzburg.
Eines der meistfotografierten Autos beim Gaisbergrennen: Porsche Typ 64K10 von Michaela Barbach. Es ist ein originalgetreuer Nachbau des berühmten Berlin-Rom-Wagens von 1939.
Kaffeestopp im fahr(T)raum Mattsee. Ein Veritas RS (Baujahr 1948) sucht sich einen Parkplatz.
Einmal Frischluft bitte: ein Mercedes-Benz 300 SL Gullwing mit geöffneten Flügeltüren.
Herrliches Wetter, prachtvolle Kulisse, beste Stimmung: Eröffnung des Gaisbergrennens am Donnerstag auf Schloss Hellbrunn
Moderator Oliver Zeisberger (li.) im Gespräch mit Bernhard Eder vom OCC-Team.
Besondere Überraschung: Johann Weissacher (re.) bekam zu seinem 80. Geburtstag von seinem Sohn einen Jaguar E-Type geschenkt. Mit dem Wagen nahm er am Gaisbergrennen teil.
Alexander Kern betreute den OCC-Stand auf Schloss Hellbrunn.
Till Waitzinger als Copilot, am Steuer des Alfa Romeo GT 1600 Junior (Baujahr 1973, Hubraum 1570 ccm, 109 PS) sitzt Bernhard Eder. Ergebnis: Platz 78 in der Gesamtwertung für das Team OCC Österreich. Dabei sein ist alles …
Stilvoll: Edle Karossen in einer Reihe vor Schloss Hellbrunn.
Volksfeststimmung auf dem Residenzplatz in Salzburg. Die Teilnehmer des Gaisbergrennens sind da und warten auf den Start zum Stadtgrandprix.
Französisch-Österreichische Freundschaft: Renault Alpine A310 (Baujahr 1978, 2645 ccm, 6 Zylinder, 170 PS) neben einem Puch 650 T (2 Zylinder, 650 ccm, 20 PS) aus dem Jahr 1962.
Monströses Hinterteil: ISO A3C Corsa (Baujahr 1965, 360 PS).
Organisator Thomas Matzelberger (li.) freut sich mit den Drittplazierten Christopher und Lisa Behensky, daneben Dr. Gert Pierer und Moderator Oliver Zeisberger.
Beifall und Jubel für die Gewinner auf dem Gaisberg.
Galaabend im Hangar-7 am Flughafen Salzburg. Die Gäste hatten drei aufregende Tage hinter sich.
Das Team von OCC Österreich auf der Zistelalm in Salzburg (v.l.): Marian Loose (Foto- und Videoproduktion), Bernhard Eder und Till Waitzinger (Geschäftsführung), Alexander Kern (Sales Manager) und Dorian Rätzke (OCC-Magazin)
Unser filmischer Rückblick in 92 Sekunden
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